6 Fragen an Johanna Greulich, der Anoushka in der Oper Minsk

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Johanna Greulich

Johanna Greulich

Beim hr-Sinfonieorchester fand bereits einer statt. Nun veranstaltet auch das Theater Heilbronn, unterstützt von “KultUp – tweet up your cultural life” einen Kultur-Tweetup. Getwittert wird bei diesem Kultur-Tweetup am 16. Februar 2013 von einer Probe zur Oper Minsk, die das Theater Heilbronn gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn uraufführt. Da ich bei den Vorbereitungen und der Durchführung involviert bin, habe ich der Sopranistin Johanna Greulich einige Fragen zu den Vorbereitungen und der Zusammenarbeit mit dem Orchester gestellt.

Johanna, du singst die Anoushka in der Oper Minsk. Beschreib doch bitte kurz die Rolle, den Charakter der Anoushka.
Die Oper dreht sich um Anna. Anoushka ist das „alte Ich“ der Anna. Anna reist in ihren Gedanken/Träumen von London zurück in ihre Heimat Minsk. Anna, in ihren Vierzigern, trifft dort sich selbst, Anoushka, 20 Jahre jünger. Anoushka ist voller Antrieb und Willen die Welt in Minsk zu verlassen. Sie will sich von der Enge, der Perspektivlosigkeit und dem „grauen“ Leben befreien. Ihren Freund, Fyodor, will sie mitnehmen, aber er kann sich nicht dazu entscheiden. Das birgt viel Konfliktpotential.

Anoushka ist für mich eine idealistische, kämpferische, starke, emanzipierte junge Frau. Sie rennt Wände ein, um an ihr Ziel zu kommen.

Die Begegnung mit ihrem älteren Ich, Anna, ist für Anoushka sehr verstörend. 20 Jahre später wird sie all das immer noch nicht gefunden haben nach dem sie sucht. Der Konflikt ist für die junge Frau riesig. Der Kampf um ihre „Zukunft“ macht sie mittlerweile vollständig aus und in Minsk zu bleiben scheint ihr keine Möglichkeit.

Bei der Oper Minsk handelt es sich ja um eine Uraufführung. Die Vorbereitung hierzu laufen sicherlich anders ab, als wenn es sich um eine bekannte Oper handelt. Wie bereitest du dich darauf vor?
Die Vorbereitungen für eine zeitgenössische Oper oder eine Uraufführung verlaufen am Anfang sicher etwas „trockener“. Ich sitze viel am Klavier, spiele mir meine Stimme mit Metronom bis ich sie (spielend) schon fast auswendig kann. Ich mache mir Aufnahmen meiner Übungen, kurze Abschnitte, die ich mir immer wieder anhöre.

Das mache ich dann oft auf Bahnfahrten, was sicher manchmal auf meine Sitznachbarn witzig wirkt. Später versuche ich dann das Gelernte in einen musikalischen Zusammenhang zu bringen, Phrasen zu finden (die sind in der Zeitgenössischen Musik manchmal schwerer zu finden, aber meistens vorhanden oder bewusst weggelassen), die Verbindung von Text, Handlung und Musik zu verstehen. Aber das macht man ja auch in jeglicher anderer Musik, manchmal ist es dort aber etwas offensichtlicher.

Das größte Problem ist wahrscheinlich das Auswendiglernen. Dem versuche ich wieder mit vielen Übeaufnahmen Herr zu werden. Außerdem richte ich mir die Partitur oder den Klavierauszug mit Farben ein und versuche die musikalische Struktur zu verstehen. Das hilft oft.

Sind in diesem Fall Librettistin und Komponist bei den Proben dabei? Greifen sie ein?
Ian Wilson, Lavinia Greenlaw und der Regisseur Christian Marten-Molnár kennen sich schon von vorigen Projekten. Sie haben großes Vertrauen in sein Urteilsvermögen und lassen ihm Freiheit in seinen Entscheidungen.

Dramaturg, musikalischer Leiter und Regisseur haben schon vor der Probenzeit viel mit den beiden kommuniziert und sich abgesprochen.

Wenn wir in den Proben Fragen haben, sagen sie einfach “Wir rufen mal Ian Wilson an und fragen ihn”. Das ist natürlich sehr praktisch. Schade, dass man das nicht auch z. B. mit Strauss oder Mozart machen kann.

Wann kommt das Orchester mit ins Spiel?
Mit Ruben Gazarian, dem musikalischen Leiter des Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, haben wir viel musikalisch geprobt und er ist auch bei vielen szenischen Proben dabei. Das ist sehr wichtig, denn an vielen Stellen ist die Musik rhythmisch komplex.

Die Musiker des Orchesters bereiten die Noten auch schon seit einiger Zeit vor. Gemeinsam proben wir etwa 2 Wochen vor der Premiere.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Orchester aus?
Es gibt glücklicherweise die Möglichkeit relativ viele Bühnenorchesterproben zu machen. Da können wir uns gut zusammenfinden.

Ich freue mich sehr darauf den ganzen Klang des Orchesters das erste Mal zu hören. Das wird sicherlich sehr spannend und gibt nochmals neue starke Farben für Musik und Szene.

Welche Berührungspunkte gibt es mit dem Orchester?
Musikalisch gibt es unglaublich viele Berührungspunkte. In vielen Passagen sind alle Stimmen und Instrumente rhythmisch verschachtelt.

Das müssen wir gut zusammenbasteln. Außerdem gibt es viele Stellen an denen ein oder mehrere Instrumente die Linie der Sänger nachvollziehen. Die Instrumentalisten müssen sich also auch mit dem Text und der daraus folgenden Phrasierung beschäftigen. Das geht am besten im direkten Kontakt.

Johanna, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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