Aufbruch und Kontinuität beim hr-Sinfonieorchester

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hr-Sinfonieorchester

Das hr-Sinfonieorchester | Foto: hr/Ben Knabe

Heute Vormittag war die Pressekonferenz des hr-Sinfonieorchesters, bei der die kommende Konzertsaison vorgestellte wurde. Anstelle eines Berichts präsentiere ich die Kurzfassung eines Interviews, das die hr2-kultur-Redakteurin Christiane Hillebrand mit dem neuen Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada und dem Musikchef Michael Traub geführt hat. Die Langfassung befindet sich in der Konzertbroschüre.

Christiane Hillebrand: Eine neue Konzertsaison steht bevor, und damit beginnt auch eine neue Ära. Andrés Orozco-Estrada, Sie sind nun neuer Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters. Mit welchen Gefühlen treten Sie diese Position an?

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Neuer Chefdirigent am Pult des hr-Sinfonieorchesters: Andrés Orozco-Estrada | Foto: hr/Martin Sigmund

Andres Orozco-Estrada: Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe! Chefdirigent eines traditionsreichen großen Sinfonieorchesters mit sogenanntem „deutschen Klang“ zu werden, war immer ein Ziel von mir. Da das hr-Sinfonieorchester außerdem ein Rundfunkorchester ist, bringt uns das enorme Möglichkeiten!

Hillebrand: Auch für Sie, Michael Traub, ist es sicher eine spannende Konzertsaison. Es ist die erste Spielzeit, die Sie jetzt verantwortlich selbst gestaltet haben. Welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

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Musikchef des hr-Sinfonieorchesters: Michael Traub | Foto: hr/Benjamin Knabe

Michael Traub: Das Programm ist in enger Zusammenarbeit mit Andres Orozco-Estrada entstanden. Wir haben uns mehrfach getroffen und hatten einen intensiven Austausch. Und wir haben uns überlegt, wohin die gemeinsame Reise gehen soll. Andres Orozco-Estrada ist in Kolumbien geboren und aufgewachsen, hat aber ganz entscheidende musikalische Impulse in Wien erhalten. Die Stadt, die Musik haben ihn geprägt. Wir spielen Brahms, wir spielen Mahler, Richard Strauss, aber Sie finden in allen Programmen auch immer wieder zeitgenössische Musik, weil uns das wichtig ist und auch zu unserem Publikum passt.

Orozco-Estrada: Mir ist es sehr wichtig, die ganze Vielfalt, den ganzen Reichtum der Musik zu zeigen. Dazu gehört neben den genannten Komponisten auch Bartok oder Strawinsky, ebenso zeitgenössische Musik oder Mozart. Gustav Mahlers 3. Sinfoniebeispielsweise habe ich mir gewünscht, weil mich Mahlers Kosmos seit meinen Anfangen als Dirigent fasziniert. Damit setzen wir auch die große Mahler-Tradition des hr-Sinfonieorchesters fort. Ein Ziel unserer musikalischen Zusammenarbeit ist es, ein gemeinsames Musikverständnis und eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Auch die sehr reiche Farbpalette des Orchesters wollen wir weiter pflegen: durch die Beschäftigung mit dem klassischen Repertoire wie auch mit der Moderne. Besonders reizvoll ist es auch, durch ungewöhnliche Kombinationen von Werken interessante Programme zu entwickeln.

Hillebrand: Was ist die Essenz des gemeinsamen Musizierens für Sie? Ist es die Auswahl der Stücke?

Orozco-Estrada: Entscheidend für mich ist, wie gespielt wird. Meine Vorstellung ist, dass wir mit Seele, Hingabe, Energie und Spontaneitat musizieren, immer mit Wissen um den richtigen Stil, auf hohem technischen Niveau.

Ganz wichtig ist mir auch, dass wir die Nähe zum Publikum pflegen. Orchester und Hörer sollen durch die Art unseres Musizierens immer näher zusammenrücken. Das Konzerterlebnis soll ein gemeinsames Erlebnis sein!

Hillebrand: Wird es denn auch wieder eine oder einen »Artist in Residence« geben, Herr Traub?

Traub: Ja, natürlich! Das ist in dieser Saison die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, worüber wir uns sehr freuen. Wir haben mit ihr ja schon eine wunderbare Zusammenarbeit gehabt. Unter der Leitung von Peter Eötvös ist im hr eine CD entstanden. Wir haben dabei das 2. Bartók-Konzert und das Violinkonzert „seven“ von Eötvös eingespielt. Die Aufnahme hat enorme Beachtung gefunden und wurde vielfach preisgekrönt. Unsere Zusammenarbeit hatten wir aber vorher schon festgelegt: Denn uns war nach der ersten Begegnung klar, dass Patricia Kopatchinskaja eine unglaublich interessante Künstlerin ist, die viele Facetten mitbringt.

Hillebrand: Andrés Orozco-Estrada, Sie stammen aus Kolumbien, sind mit 19 Jahren nach Wien gezogen, um dort an der Hochschule Dirigieren zu studieren. Wann wussten Sie, dass Sie Dirigent werden möchten?

Orozco-Estrada: Das wusste ich schon als kleiner Junge. Ich habe oft bei uns im Wohnzimmer Musik gehört und dazu dirigiert, aus tiefstem Herzen und mit großer Begeisterung!

Natürlich gab es auch mal andere Wünsche – ich wollte Fußballer werden oder Pilot. Auf meiner Grundschule hatten wir intensiven Musikunterricht: Wir sangen viel, ich lernte Geige, Klavier, Schlagzeug, spielte im Orchester, hatte sogar Kompositionsunterricht. Das Dirigieren, die Liebe zur Musik, das war von Anfang an da und mit 13 oder 14 Jahren habe ich mein erstes öffentliches Konzert dirigiert.

Hillebrand: Das hr-Sinfonieorchester haben Sie 2009 kennengelernt, damals gaben Sie als junger Dirigent Ihr Debüt. 2012 waren Sie dann noch einmal zu Gast, im Rahmen eines Benefizkonzerts. Kurz darauf kam schließlich die Anfrage, ob Sie Chefdirigent des Orchesters werden möchten. Nun hatten Sie vor wenigen Monaten Ihr erstes Konzert in der Alten Oper Frankfurt als designierter Chefdirigent. Und es war eine ganz besondere Stimmung zu spüren. Haben Sie das auch so empfunden?

Orozco-Estrada: Ja, so habe ich das auch erlebt, die Chemie zwischen den Orchestermusikern und mir, die stimmt. Ich erinnere mich gut, dass die erste Probe für uns alle besonders aufregend war. Es herrschte eine sehr respektvolle Atmosphäre – Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester. Und in den Konzerten waren die Reaktionen des Publikums sehr herzlich und emotional.

Hillebrand: Herr Orozco-Estrada, bevor die eigentliche Saison beginnt, werden Sie sich im August bereits einem breiten Publikum vorstellen. Das klingt nach einem spannenden und außergewöhnlichen Konzerterlebnis.

Orozco-Estrada: Ich finde, es sollten viele Menschen die Chance bekommen, das hr-Sinfonieorchester kennenzulernen. Deshalb habe ich angeregt, ein Open Air Konzert zu geben. Wir werden im Metzlerpark eine Bühne nah am Wasser aufbauen. Bei diesem Konzert am 27. August werden wir ein attraktives Programm spielen zwischen Ravel und Richard Strauss. Wir hoffen auf einen lauen Sommerabend und eine wunderschöne Stimmung am Mainufer bei untergehender Sonne. Wir freuen uns auf herrliche Musik in wunderbarer Atmosphäre und viele begeisterte Menschen.

Ich gehöre jetzt zu dieser Stadt und ich lade Sie alle herzlich ein! Kommen Sie zu uns und lassen Sie sich eine Freude machen mit unserer Musik!

Weitere Informationen inkl. Konzertbroschüre (auch zum Download) gibt es im Pressebereich auf der Website des Hessischen Rundfunks.

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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