Bachs „Goldberg-Variationen“ als Ausgangspunkt für ein ganzes Festival

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Eröffnet das Musikfest: Andras Schiff  | Foto: Nadia Romanini/CM Records

Eröffnet das Musikfest: András Schiff | Foto: Nadia Romanini/CM Records

Die Alte Oper setzt ihr Prinzip eines Musikfestes zu Beginn der neuen Spielzeit fort, das sich einer Komposition, die als Meisterwerk für sich steht, widmet. War es im vergangenen Jahr „op 131“ und 2013 „Le sacre du Printemps“ so stehen in diesem Jahr in dem 23-tägigen Festival (13. September bis 5. Oktober 2015) Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen im Mittelpunkt.

Die „Goldberg-Variationen“ liefern als meisterhaftes Variationswerk, als monumentaler Klavierzyklus und als summierendes Spätwerk mannigfaltige Anknüpfungspunkte. In insgesamt 50 Einzelterminen – Konzerten, Performances, Gesprächen und vielem mehr – sucht die Alte Oper nach einer Annäherung an Bachs großen Klavierzyklus und nach Linien, die von diesem Werk ausgehen. Eine Ausstellung in einem der Pausenfoyers ergänzt das umfangreiche Programmangebot.

Das Ausgangswerk im Interpretationsvergleich

Gleich viermal erklingen die Goldberg-Variationen während des Musikfests: Sir András Schiff eröffnet mit ihnen am Sonntag, 13. September das Festival. Außerdem interpretieren Igor Levit (am Konzertflügel) und Andreas Staier (am Cembalo) den Zyklus. Das Klavierduo Tal & Groethuysen stellt das Werk in einer Fassung für zwei Klaviere vor, mit der im 19. Jahrhundert der gewaltige Zyklus für den Hausgebrauch verfügbar gemacht wurde.

Variationskunst am Klavier

Eine besondere Rolle im diesjährigen Musikfest übernimmt der Pianist Igor Levit, der außer den Goldberg-Variationen noch zwei weitere große Variationszyklen interpretiert, Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen und den Zyklus „The People United Will Never Be Defeated!“ des US-amerikanischen Komponisten Frederic Rzewski. Konfrontiert werden diese drei Zyklen aus drei Jahrhunderten mit Musik unserer Zeit: Die Alte Oper Frankfurt hat Kompositionsaufträge rund um das Thema „Variation“ vergeben und zeigt die Ergebnisse vor bzw. nach den Konzerten mit Igor Levit. Auch Pierre-Laurent Aimard beteiligt sich am Musikfest mit einem bedeutenden Klavierzyklus: Er interpretiert Olivier Messiaens entrückten und beseelten Klavierzyklus „Vingt Regards sur L’Enfant Jésus“.

Große Interpreten

Nicht nur hochkarätige Pianisten beteiligen sich am diesjährigen Musikfest, sondern auch zahlreiche weitere namhafte Solisten, Ensembles und Orchester. Der Einladung zum Musikfest folgen unter anderem: Isabelle Faust, Janine Jansen, Gidon Kremer, Jörg Widmann, das Artemis Quartett, das Ensemble Modern, die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, die Bamberger Symphoniker unter Juraj Valčuha, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Gilbert Varga, das hr- Sinfonieorchester unter Edward Gardner, die Junge Deutsche Philharmonie unter Jonathan Nott, das London Philharmonic Orchestra unter Vladimir Jurowski und die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev.

Im Spiegel anderer Kunstformen

The Goldlandbergs |Foto: Emanuel Gat Dance

The Goldlandbergs |Foto: Emanuel Gat Dance

Wie in den vergangenen beiden Jahren schlägt auch dieses Musikfest Brücken zu anderen Genres, Kunstformen und Institutionen. In einer Kooperation mit dem Mousonturm Frankfurt wird unter dem Titel „The Goldlandbergs“ eine tänzerische Hommage an Glenn Gould gezeigt, die der israelische Choreograf Emanuel Gat entworfen hat.

An den großen „Goldberg-Interpreten“ Glenn Gould bzw. dessen Spiegelung in Thomas Bernhards Roman „Der Untergeher“ knüpft der Jazzpianist Michael Wollny an. Der Universalkünstler Jacques Palminger fordert in seiner Performance „Goldberg für alle!“ und begibt sich dabei auf die Spurensuche nach hypnotischen Kräften ähnlich jener der Goldberg-Variationen. Dieser Termin findet in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt statt.

Davor, danach

Ein umfangreiches kostenloses Rahmenprogramm mit Künstlerinterviews, Einführungsgesprächen, Talkrunden, Nach(t)konzerten und vielem mehr ist erneut elementarer Bestandteil des Musikfests, um mehr über Hintergründe zu erfahren oder das Gehörte in den Kontext weiterer klanglicher Eindrücke zu stellen. Zum besonderen Ereignis wird dabei die Realisierung eines Werks von John Cage, der in seiner Reihe „Variations“ den herkömmlichen Werkbegriff in Frage stellte, indem er den Interpreten lediglich Anweisungen für das Erstellen einer eigenen Partitur an die Hand gab. Die Alte Oper Frankfurt zeigt zum Musikfest drei mögliche Umsetzungen einer dieser „Variations“ und lädt dafür auch das Publikum ein, sich als Mitwirkende zu beteiligen.

Die komplette Programmübersicht und Tickets gibt es auf der Internetseite der Alten Oper.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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