Das Jahr 1905: Schostakowitschs 11. Sinfonie in der Alten Oper

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Andris Nelsons | Foto: Marco Borggreve

Andris Nelsons | Foto: Marco Borggreve

Meine Motivation in ein Konzert zu gehen sind vielfältig. Mal ist es das Orchester, mal ein bestimmtes Werk, seltener der Dirigent. Beim Konzert in der Alten Oper Frankfurt am kommenden Freitag (31. März) kommen gleich drei Motivationen zusammen:

  • Das Werk: Die 11. Sinfonie von Dmitrij Schostakowitsch
  • Das Orchester: Het Koninklijk Concertgebouworkest
  • Der Dirigent: Andris Nelsons

Wobei – das Werk steht schon an erster Stelle. Dass nun drei Faktoren zusammenkommen, ist das i-Tüpfelchen.

Ich habe die 11. Sinfonie schon zweimal gehört – allerdings noch nie in Frankfurt. Nachdem ich von der Aufführung der Wiener Philharmoniker unlängst in Essen so begeistert war, war klar, dass ich am Freitag ins Konzert muss.

Schostakowitsch komponierte die 11. Sinfonie anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution 1957. Den Titel „Das Jahr 1905“ hat der Komponist der Sinfonie gegeben, weil er auch auf die Ereignisse des so genannten Petersburger Blutsonntags von Anfang Januar 1905 Bezug nimmt.

Schostakowitsch äußerte sich zum Inhalt der Sinfonie folgendermaßen

„ … und sie bezieht sich auf die Gegenwart von 1957, obwohl ich sie das Jahr 1905 genannt habe, sie handelt von dem Volk, das den Glauben verloren hat, weil der Kelch der Missetaten übergelaufen ist.“

Ob Schostakowitsch nun Bezug auf die Ereignisse von 1905 nahm oder auf den ungarischen Aufstand von 1956, die Schrecken hat er in vier eindringlichen, unmittelbar ineinander übergehende Sätzen komponiert.

Ein Wiedersehen gibt es für mich in der ersten Konzerthälfte: Yefim Bronfman, der vergangene Woche mit dem hr-Sinfonieorchester in der Alten Oper auftrat, spielt Sergej Prokofjews zweites Klavierkonzert von 1912. Auch dieses Werk ist ein tragisches. Es ist ein Porträt, das auf ganz unmittelbaren persönlichen Erfahrungen – dem Selbstmord eines engen Freunds Prokofjews – beruht.

Mit dem Koninklijk Concertgebouworkest verbindet Andris Nelsons eine intensive Zusammenarbeit. Davon zeugt unter anderem ihre gemeinsame Interpretation der fünften Sinfonie Dmitrij Schostakowitschs im Oktober 2014, über die eine ausführliche Dokumentation gedreht wurde. Zu sehen ist darin ein Dirigent, der sich mit ganzer Hingabe und vollem körperlichen Einsatz einem Werk widmet und sich besonders intensiv mit dem Ambivalenten wie auch dem Politischen in Schostakowitschs Musik auseinandersetzt.

Es gibt übrigens für dieses noch Karten für das Konzert. Wenn ihr ein außergewöhnliches und (zumindest in Frankfurt) selten aufgeführtes Werk hören wollt, dann sollte ihr euch dieses Konzert nicht entgehen lassen.

Programm auf einen Blick

Sergej Prokofjew: Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16

Dmitrij Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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