Ein Lied auf den freien und glücklichen Menschen

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Gastsolist Behzod Abduraimov | Foto: © HR/Cristian Fatu

Yippie – schon wieder ein Schostakowitsch-Konzert! Dieses Mal allerdings ein Klavierkonzert und nicht eine bombastische Sinfonie wie vergangenen Sonntag. Macht aber nichts, wird bestimmt auch großartig, zumal das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Aziz Shokhakimov spielen wird. Behzod Abduraimov am Klavier und der hrSO-Solo-Trompeter Jürgen Ellensohn sind die beiden Solisten beim Konzert am Donnerstag (15. Februar) und Freitag (16. Februar) in der Alten Oper Frankfurt.

Persiflage auf Virtuosenkonzerte

Dmitrij Schostakowitsch war in jungen Jahren selbst Pianist und zwar ein ganz guter. Sein erstes Klavierkonzert verfasste er für den eigenen Gebrauch und trug es auch mehrfach öffentlich vor. Zu dem Werk, das zwischen März und Juli 1933 entstand, bemerkte er

„Es war mein erster Versuch, eine bedeutsame Lücke in der sowjetischen Instrumentalmusik zu schließen, der es an abendfüllenden konzertanten Werken mangelt.“

Dieses Klavierkonzert ist das erste von Rang, das in der Sowjetunion entstanden ist. Bei diesem Stück fällt vor allem die ebenso sparsame wie ungewöhnliche Besetzung ins Auge bzw. Ohr – das kann man von seinen Sinfonien nicht gerade behaupten, also die sparsame Besetzung. Das Klavier wird nämlich lediglich von einem Streichorchester begleitet sowie von einem weiteren Solisten – einem Trompeter, der sowohl als Partner als auch als Störfaktor fungiert. Schostakowitsch schuf mit diesem Konzert auch eine Persiflage auf das große romantische Virtuosenkonzert.

Lied auf den freien und glücklichen Menschen

Nicht minder spannend ist die fünfte Sinfonie von Sergej Prokofjew. Der Komponist selbst sagte zur Entstehung

„Mit der fünften Sinfonie wollte ich ein Lied auf den freien und glücklichen Menschen anstimmen, seine schöpferischen Kräfte, seinen Adel, seine innere Reinheit. Ich kann nicht sagen, dass ich dieses Thema ausgesucht hätte – es entstand in mir und verlangte nach Ausdruck. Ich schrieb die Musik, die herangereift war und schließlich mein Innerstes ausfüllte.“

Prokofjew selbst hat die Uraufführung im Januar 1945 in Moskau dirigiert – es war sein letztes Dirigat. Swjatoslaw Richter beschrieb diese Uraufführung so:

„Der große Saal war wie gewöhnlich beleuchtet, aber als Prokofjew aufstand, schien das Licht direkt von oben auf ihn herab zu fallen. Und plötzlich, als Stille eintrat und der Taktstock schon erhoben war, ertönten die Artilleriesalven. Er wartete und begann nicht eher, als bis die Kanonen schwiegen. Wie viel Bedeutsames, Symbolhaftes kam da zu Wort.“

Außerdem steht noch der „Choresmische Festumzug“ des Usbekischen Komponisten Suleiman Yudakov (1916 – 1990) auf dem Programm.

Also ein durch und durch sowjetischen Programm diese Woche!

Wer noch mehr erfahren möchte: In der Sendung „Treffpunkt hr-Sinfonieorchester“ hat Christoph Werkhausen das Konzertprogramm vorgestellt. Den Beitrag gibt es hier zum Nachhören.

Das Konzert auf einen Blick

Suleiman Yudakov: Choresmischer Festumzug

Dmitrij Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll op. 35

Sergej Prokofjew: 5. Sinfonie B-Dur op. 100

Das Konzert in hr2-kultur

Freitag, 16. Februar 2018, 20.04 Uhr (live)

Dienstag, 27. Februar 2018, 20.04 Uhr

Das Konzert im Internet

Video-Livestream am Freitag, 16. Februar 2018, auf hr-sinfonieorchester.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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