Ein Tag mit einem Gewandhausmusiker #02

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weiß auf rot_16x8cmMein Samstag (6. Dezember) steht ganz im Zeichen des Gewandhausorchesters.  Nicht nur, dass ich einen Musiker während des Frankfurter Gastspiels begleiten darf, am Abend geht’s natürlich auch ins Konzert. Mit Schlaglichter des 20. Jahrhunderts kann man das Programm des Gewandhausorchesters unter der Leitung von Andris Nelsons in der Alten Oper Frankfurt überschreiben. Sie spielen Werke dreier Vorreiter der modernen Musik, die unter gänzlich verschiedenen Schaffensbedingungen entstanden: „Petruschka“ in der rev. Fassung von 1947 von Igor Strawinsky, das „Violinkonzert Nr. 2 g-Moll op. 63“ von Sergej Prokofjew sowie die Suite „Der wunderbare Mandarin SZ 73“ von Béla Bartók. Solsitin des Violinkonzerts Baiba Skride.

Andris Nelsons dirigiert das Gewandhausorchester | Foto: Marco Borggreve

Andris Nelsons dirigiert das Gewandhausorchester | Foto: Marco Borggreve

Mit seiner Tanzpantomime „Der wunderbare Mandarin“ hatte Béla Bartók 1926 in Köln einen Skandal ausgelöst. Nach der Premiere verbot Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister in Köln, weitere Aufführungen des nach seiner Ansicht unmoralischen Werkes – Bartók aber gelang es mit seiner Umarbeitung des Materials als Suite, die Musik in den Konzertsaal zu retten.

Was sie mit ihrer Musik auszulösen vermochten, erfuhren zu ihren Lebzeiten auch die beiden weiteren Komponisten, die im Konzert des Gewandhausorchesters mit Werken vertreten sind. Zwei Jahre bevor Igor Strawinsky mit „Le Sacre du Printemps“ einen der größten Skandale der Musikgeschichte auslöste, schuf er für die Pariser „Ballets russes“ die Ballettmusik „Petruschka“, die das Gewandhausorchester in der späteren revidierten Fassung von 1947 vorstellt. Sergej Prokofjew hingegen hatte seine revolutionären Zeiten bereits hinter sich, als er sich Mitte der Dreißiger Jahre vermeintlich den Direktiven des Sowjetregimes beugte und sein zweites Violinkonzert vorlegte. Von einer „Neuen Einfachheit“ hatte Prokofjew selbst im

Die Solistin des Abends: Baiba Skride | Foto: Marco Borggreve

Die Solistin des Abends: Baiba Skride | Foto: Marco Borggreve

Zusammenhang mit dem Werk gesprochen. Doch hinter dem zur Schau gestellten Optimismus lauern durchaus Züge des Verzerrten, der Groteske. Und alles andere als „einfach“ sind die Anforderungen, die der Komponist hier an den Solisten stellt.

Mit Baiba Skride und Andris Nelsons hat das Gewandhausorchester (das im Übrigen mit seiner mehr als 250-jährigen Geschichte als ältestes bürgerliches Sinfonieorchester der Welt gilt) gleich zwei international bekannte lettische Künstler der jüngeren Generation als Musizierpartner zusammengebracht. Baiba Skride hat in den vergangenen Jahren erfolgreiche Debüts mit nahezu allen Orchestern von Weltrang absolviert und wird als eine der profiliertesten Geigerinnen unserer Zeit bezeichnet. Und auch Andris Nelsons ist gefragt als Gastdirigent der bedeutendsten Klangkörper – fest gebunden hat er sich jedoch seit der laufenden Spielzeit an das Boston Symphony Orchestra, dem er in den kommenden fünf Jahren als Chefdirigent vorsteht.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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