Eine musikalische Erinnerung – Schostakowitschs 11. Sinfonie

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Essener Philharmonie

Alles bereit, für den Auftritt der Wiener Philharmoniker in der Philharmonie Essen | Foto: Ulrike Schmid

Am vergangenen Dienstag (24. Januar) war ich ja bei einem Konzert der Wiener Philharmoniker in der Philharmonie Essen (Dirigent: Ingo Metzmacher). Und soll ich euch was sagen? Es war grandios! Mit grandios meine ich vor allem die Sinfonie Nr. 11 g-Moll opus 103 „Das Jahr 1905“ von Dmitri Schostakowitsch.

Ich finde Schostakowitsch ist ein sehr politischer Komponist. In seinen Werken findet sich nämlich häufig eine Anklage an die reale Gegenwart. Die 11. Sinfonie komponierte er anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution 1957. Den Titel „Das Jahr 1905“ hat der Komponist der Sinfonie gegeben, weil er auch auf die Ereignisse des so genannten Petersburger Blutsonntags, der Anfang Januar 1905 stattfand, Bezug nimmt.

Schostakowitsch äußerte sich zum Inhalt der Sinfonie folgendermaßen

„ … und sie bezieht sich auf die Gegenwart von 1957, obwohl ich sie das Jahr 1905 genannt habe, sie handelt von dem Volk, das den Glauben verloren hat, weil der Kelch der Missetaten übergelaufen ist.“

Sei’s drum, ob Schostakowitsch nun Bezug auf die Ereignisse von 1905 nahm oder auf den ungarischen Aufstand von 1956, das Werk ist absolut beeindruckend und hörenswert! Sie ist nicht einfach anzuhören und verlangt den Musikerinnen und Musikern auch einiges ab.

Übrigens wird die Sinfonie in einem Rutsch durchgespielt, das heißt die vier Sätze gehen nahtlos ineinander über.

Wenn die Wiener Philharmoniker demnächst in Frankfurt gastieren, haben sie leider keinen Schostakowitsch im Gepäck. Dafür wird das Koninklijk Concertgebouworkest bei ihrem Gastspiel am 31. März in der Alten Oper die 11. aufführen, am Pult wird Andris Nelsons stehen. Ich bin gespannt – ich höre sie mir nämlich noch einmal an …

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

Ein Kommentar

  1. Spater schrieb der Komponist, er hatte sich schon am ersten Tag des Krieges freiwillig zur Armee melden wollen, wurde aber abgelehnt. Die Memoiren Schostakowitschs hingegen behaupten, er plante am Tag des deutschen Uberfalls den Besuch eines Fu?

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