Gongschlag und Akrobatik in der Alten Oper

| 2 Kommentare

TicketsWienPhil

Neu in dieser Spielzeit veranstaltet die Alte Oper Frankfurt zum Saisonbeginn das Musikfest (siehe mein Bericht vom 19. Juli 2013). Im Mittelpunkt dieses dreiwöchigen Fests steht die Komposition „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Dazu zählen Interpretationen von „Le Sacre du Printemps“ in unterschiedlicher Besetzung sowie Programme, die sich mit Strawinskys Umfeld beschäftigen oder auch mit den Werken, die unter dem Einfluss von „Le Sacre du Printemps“ entstanden sind. Auch Querbezüge zu Theater, Tanz und zeitgenössischen Kompositionen werden hergestellt.

So geschehen ebenfalls beim Konzert der Wiener Philharmoniker am vergangenen Dienstag (17. September) unter der Leitung von Lorin Maazel und Martin Grubinger am Schlagzeug. Friedrich Cerha, Konzert für Schlagzeug und Orchester, sowie Dmitri Schostakowitsch, Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47, standen auf dem Programm.

Ich nahm dieses Konzert zum Anlass, um erneut auf die Konzert-Couch einzuladen. Die Online-Redakteurin Tanja Morschhäuser war die Auserwählte, die nicht nur den Konzert-Couch-Steckbrief ausfüllte, sondern auch einen kleinen Vorbericht schrieb.

Verbindendes

Der Bezug zwischen Cerhas Schlagzeugkonzert und Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ ist offensichtlich: Percussion und die damit einhergehenden Effekte verbinden beide Werke. Cerhas Schlagzeugkonzert ist in der für ein Konzert üblichen Dreiteiligkeit angelegt. Für jeden dieser drei Sätze wird ein eigenes Instrumentarium, das um den Dirigenten herum gruppiert ist, benutzt: Trommeln, Pauken, Klangschalen, Xylofone, Gongs, Röhrenglocken, Holzblöcke, um nur einige der Instrumente zu nennen. Ich war tief beeindruckt von Grubingers Performance. So ein Schlagzeugkonzert erfordert ja nicht nur musikalische, sondern auch körperliche Höchstleistung: Anspannung, steter Wechsel der Schlegel und Schlagstöcke und der Positionen zwischen den einzelnen Instrumentarien sowie der musikalische Dialog mit dem Orchester. Am Ende dann als Überraschungseffekt der Schlag auf den Gong, bei dem er sekundenlang die Spannung halten muss bis der Schlussakkord verklungen ist. Ein Phänomen der Mann. Als Zugabe gab es dann noch einen akrobatischen Trommelwirbel, der beim Publikum zu Begeisterungsstürmen führte.

Gut, dass ich mir bereits im Vorfeld das Video angesehen hatte, indem er das Stück erklärt. So war ich auf manche Stellen schon vorbereitet.

Trennendes?

Nach der Pause hatten dann die Wiener Philharmoniker ihren großen Auftritt. Was Schostakowitschs 5. Sinfonie mit „Le Sacre du Printemps“ zu tun hat, erschloss sich mir nicht. Da fehlt mir wohl das musikalische Hintergrundwissen. Leider liefert auch das Programmheft keinen Hinweis, und die einschlägigen Werke nennen als musikalische Vorbilder die fünften Sinfonien Beethovens, Tschaikowskis und Mahlers. Das Schlagwerk in dieser Sinfonie scheint mir jetzt auch nicht so exponiert, als dass dies die Verbindung sein könnte. Vielleicht soll die traditionell angelegte Sinfonie als Gegenstück zu „Le Sacre du Printemps“ betrachtet werden. Sei es drum, ich konnte mit Schostakowitschs Fünfter wesentlich mehr anfangen als mit Cerhas Konzert. Das ist nicht weiter verwunderlich, da sie wesentlich melodischer ist und mich viel mehr berührte trotz ihres doch eher düster-schweren Inhalts.

Immerhin ist das Werk 1937 zur Zeit des Großen Stalinistischen Terrors entstanden. Dumpfe Töne der Blech- und Holzbläser, eine Marschpassage und die Anschläge des Klaviers, das hier als Orchesterinstrument eingesetzt wird, verstärkten diesen Eindruck. Auch der Tod tauchte in Form eines Geigen-Solos auf. Wie ich in dem Zusammenhang gelernt habe, ist die Violine seit jeher das Lieblingsinstrument des Sensenmannes.

Als Zugabe spielten die Wiener Philharmoniker die Ouvertüre aus der Oper „Ruslan und Ludmila“ von Mikhail Glinka.

Wieder ein schöner Abend, und das nicht zuletzt wegen meiner netten Begleitung – danke Tanja!

Update 22. Sept. 2013. Hier geht’s zu Tanjas Bericht

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

2 Kommentare

  1. Pingback: Konzertcouch in der Alten Oper - mein Rückblick » Digitale Notizen

  2. Pingback: 10 Fragen von Ulrike, 10 Antworten von mir : Digitale Notizen

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.