Neobarocker Glanz: Hessisches Staatstheater Wiesbaden

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Haupteingang des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden unter den Theaterkolonnaden | Foto: Ulrike Schmid

Ich muss es leider zugeben – ich war vorgestern zum ersten Mal im Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Oper, Konzerte und Schauspiel gibt’s auch in Frankfurt, weshalb also in die Landeshauptstadt fahren? Wären da nicht Ballettaufführungen, die Frankfurt so nicht zu bieten hat. Und da ich unbedingt mal wieder eines sehen wollte – das letzte liegt ja auch schon wieder ein halbes Jahr zurück, machte ich mich also auf den Weg. Vier Choreografien, getanzt von Mitgliedern des Nederlands Dans Theaters, gab’s zu sehen. Nicht nur, dass ich einen wunderbaren Balletabend erlebt habe, das Haus alleine ist auch schon eine „Reise“ wert.

Neues königliche Hoftheater

Als Neues königliches Hoftheater hat Kaiser Wilhelm II. den Bau initiiert und finanziert. Bereits nach nur 22 Monaten Bauzeit wurde das Gebäude in Anwesenheit des Kaisers am 16. Oktober 1894 eröffnet. Als Vorbild für das im Stil des Neobarocks errichtete Haus dienten unter anderem Theater in Wien, Prag und Zürich.

Beeindruckender Aufgang | Foto: Ulrike Schmid

Brand und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Nordseite des Theaters durch Bombentreffer schwer beschädigt. Im Gegensatz zu den Aufgängen ist die Kassenhalle immer noch etwas schlicht.

Prächtiger Zuschauerraum im Großen Haus | Foto: Ulrike Schmid

In der Nachkriegszeit wurden die beschädigten Gebäudeteile nur sehr vereinfacht wieder hergestellt. In den Jahren 1975 bis 1978 wurde der Zuschauerraum aufwendig saniert und teilweise nach historischem Vorbild rekonstruiert.

Und aus der Mitte entspringt der Kronleuchter | Foto: Ulrike Schmid

Neobarocker Glanz

Die Deckenmalereien im Zuschauerraum bestehen aus zwei Bildern, einem kleinen über der Bühnenöffnung und dem großen über dem Parkett. Das kleine Bild stellt die entfesselte aufschwebende Phantasie dar, das große Bild enthält eine die Stadt Wiesbaden charakterisierende Allegorie. Zahlreiche Putten sowie der Rheingott ragen aus dem Deckengemälde heraus, das von einem Barockrahmen eingefasst wird. Vervollständigt wird die Decke durch Medaillons, die Musiker- und Schriftstellerbildnisse zeigen:  Wagner, Beethoven, Mozart, Weber und Gluck sowie Shakespeare, Goethe, Schiller, Lessing, Molière, sowie die Büste Apollos. Und aus der Mitte ragt der riesige circa 900 kg schwere Kronleuchter aus vergoldetem Messing mit prismatisch geschliffenen Gläsern im Unterkorb. Der sieht echt toll aus!

Foyer | Foto: Ulrike Schmid

Dreigeschossiges Foyer

Auf Wunsch des Kaisers wurde 1902 an der Ostseite ein Foyer ergänzt, das der Pracht des Zuschauerraums in nichts nach steht. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich zuerst hingucken sollte … Putten, Pilaster, Kartuschen, Reliefs, Glitzer hier, Glitzer dort.

Eine prunkvolle doppelläufige Treppe führt vom ersten Rang ins Erdgeschoss. Ich kann mir förmlich vorstellen, wie die feine Gesellschaft vor über hundert Jahren mit ihren Roben die Treppen hinunterschritten. Über der Treppe befindet sich ein mit der Königskrone und dem preußischen Adler versehener roter Baldachin.

Der Blick nach oben lohnt: Decke im Foyer | Foto: Ulrike Schmid

Ist sie nicht schön, die Gewölbedecke, die die Beglückung und Erhebung der Menschheit durch die vom Himmel hinabsteigende Kunst thematisiert?

Die Halle ist dreigeschossig und mit Ausnahme der Ostseite von offenen Wandelgängen umgeben, die in der Pause zum Flanieren (und Sekt trinken) einladen. Und auch hier wieder Glitzer, Glanz und Spiegel.

Da sich der Eingang auf der nicht ganz so hübschen Vorderseite befindet, es dunkel und kalt war, habe ich die Schauseite – die Rückseite – des Theaters leider nicht gesehen, und sie soll ja sehr schön sein. Muss ich also noch mal hin nach Wiesbaden …  Die nächste Ballettaufführung kommt bestimmt!

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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