Himmlische Seligkeit

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Artist in Residence: Antoine Tamestit | Foto: © Julien Mignot for harmonia mundi

Yippie, die Konzertsaison beginnt – also die meinige, 2018. Und könnte sie mit einem bessern Werk beginnen als mit einer Mahler-Sinfonie? Wohl kaum …

Am Donnerstag (18. Jan.) und Freitag (19. Jan.) führt das hr-Sinfonieorchester,  jeweils um 20 Uhr, Mahlers 4. Sinfonie in der Alten Oper Frankfurt auf. Außerdem steht das extra für Antoine Tamestit komponierte „Viola Concerto“ von Jörg Widmann und „The Unanswered Question“ von Charles Ives auf dem Programm. Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada leitet das Konzert, die Sopranistin Mojca Erdmann übernimmt den Gesangspart in der Mahler-Sinfonie.

Theatralisch

„Es ist eine theatralische Inszenierung, in der der Bratschen-Solist die Hauptrolle spielt“,

sagt Antoine Tamestit über „sein“ Konzert. Widmanns „Viola Concerto” ist ein ausgeklügeltes Spiel mit der Gattung Solokonzert und bietet so manche Skurrilität. Zu Beginn etwa gibt nicht etwa der Dirigent den Einsatz, sondern der Solist klopft zunächst, im Orchester sitzend, auf der Bratsche herum. Er wird dann mit seinem Instrument durch das Orchester wandern, irgendwann den Bogen ergreifen, so als habe er Siegfrieds Schwert gefunden. Immer wieder nimmt der Solist die Rolle eines Schauspielers ein, der in einer Mischung aus Stolz und Selbstironie detaillierte Regieanweisungen ausführt. Aber nicht nur er. Denn an einer Stelle in der Partitur heißt es: „Der Dirigent reagiert leicht irritiert“. Erst am Schluss steht der Solist an der Stelle, wo man ihn in einem Solo-Konzert erwarten würde – neben dem Dirigenten. Klingt vielversprechend, würde ich sagen.

In der zweiten Konzerthälfte kommt dann … Mahlers Vierte.

Himmlische Seligkeit

Die im Jahre 1900 entstande vierte Sinfonie von Gustav Mahler bewegt sich im Gegensatz zu den drei vorangegangenen Sinfonien in idyllisch-heiteren Sphären. Wie mit dem Blick eines Kindes entwirft Mahler eine aufreizend naive musikalische Bilderwelt.

Die vierte Sinfonie ist unter allen Mahler-Sinfonien diejenige gewesen, die letztlich am schnellsten populär wurde vermutlich aufgrund der sanften und bewegenden Musiksprache. Ursprung und Keimzelle der vierten Sinfonie ist das Lied-Finale „Wir genießen die himmlischen Freuden“, das Mahler bereits 1892 komponiert und ursprünglich als abschließenden siebten Satz seiner dritten Sinfonie verwenden wollte. Es geht auf einen Text der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim zurück und beschreibt in heiterem Ton die kindlichen Freuden himmlischer Seligkeit.

Das Programm auf einen Blick

Jörg Widmann: „Viola Concerto“

Charles Ives: The Unanswered Question

Gustav Mahler: 4. Sinfonie G-Dur

Das Konzert in hr2-kultur

Freitag, 19. Januar 2018, 20.04 Uhr (live)

Dienstag, 30. Januar, um 20.04 Uhr

Das Konzert im Internet

Video-Livestream am Freitag, 19. Januar 2018, auf hr-sinfonieorchester und auf concert.artetv.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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