Von wegen Kreischen und Brummen

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Der Solist des Abends: Johannes Moser  ӏ Foto: hr/Uwe Arnes

Der Solist des Abends: Johannes Moser ӏ Foto: hr/Uwe Arnes

Mein erstes Konzert im neuen Jahr führte mich zum hr-Sinfonieorchester. Zu dem Konzert am Donnerstag (16. Jan. 2014) hatte ich erneut einen Gast auf die Konzert-Couch eingeladen. Alexander Mereien hat auf der Couch Platz genommen und schien sich sichtlich wohlzufühlen.

Auf dem Programm stand Antonín Dvořák, Cellokonzert h-Moll op. 104 sowie Johannes Brahms: 1. Serenade D-Dur op. 11. Am Pult des hr-Sinfonieorchesters stand David Zinman, Solist war Johannes Moser, der kurzfristig für den erkrankten Truls Mørk eingesprungen war.

In der Konzerteinführung „Musik im Gespräch“ unterhielt sich hr2-kultur-Moderatorin Christiane Hillebrand mit dem Solisten des Abends. Hier erfuhr ich u. a., dass Johannes Moser alle paar Jahre seine Noten entsorgt. Das ist gut nachvollziehbar, denn der Grund dafür ist, dass er sich – wie wahrscheinlich alle Musiker – Anmerkungen macht. Um aber ein Werk neu interpretieren zu können, benötigt er natürlich „sauberes“ Material.

Das Cellokonzert gefiel mir – im Gegensatz zum letzten Konzert – denn auch ganz besonders gut. Rückblickend, wenn ich die verschiedenen Konzerte einmal Revue passieren lasse, fällt mir auf, dass ich mich meistens nur für eines der eines der zwei, drei manchmal auch vier gespielten Stücke eines Abend so richtig begeistern kann. Bin ich mit vier Werken vielleicht überfordert? Ich habe das Gefühl, dass das einzelne Werk nicht nachwirken kann. Da muss es mich schon total gepackt haben.

Doch zurück zu Dvořáks Cellokonzert. Es handelt sich um eines seiner letzten großen Orchesterwerke. Der böhmische Komponist beschrieb das Violoncello als „ein Stück Holz, das oben kreischt und unten brummt“. Keine wirklich positive Voraussetzung, um ein Konzert zu komponieren. Dennoch avancierte sein Cellokonzert zu den bedeutendsten dieser Gattung. Geschrieben hat er es in nur wenigen Monaten im Winter 1894/95, am Ende seines dreijährigen Aufenthalts in den USA.

Dvořák stellt dem Cello eine große Orchesterbesetzung gegenüber. Doch es behauptet sich hervorragend. Mir gefielen insbesondere die Dialoge, die das Cello mit einzelnen Orchesterinstrumenten wie Horn, Klarinette oder Querflöte führt.

Nach der Pause hörten wir dann die Serenade von Brahms. Zweieinhalb Jahre, von 1857 bis 1860, komponierte er an diesem Werk. Es verdeutliche die Unsicherheit des jungen Komponisten, sich das Feld der prestigeträchtigeren Orchesterkomposition zu erschließen, heißt es im Programmheft. Er hat das ganz gut hingekriegt, finde ich ;-)

Schade, dass dieses Konzert nicht von Arte Live Web aufgezeichnet wurde. So ist der visuelle Eindruck für die Nachwelt nicht erhalten. Zum Glück konnte ich es live erleben. Es war ein wunderschönes Konzert und ein schöner Abend mit Alexander Mereien als Konzert-Couch-Gast.

Update 1. Februar 2014. Hier geht’s zu Alexanders Bericht.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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