Kleidung als Teil eines Konzerterlebnisses

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Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester

Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester | Foto: hr

Das Städel Museum hat zur Blogparade aufgerufen. „Körper, Kleidung und Kunst“ lautet das Thema. Anlass ist die aktuelle Ausstellung (bis zum 13. Juli 2014) des österreichischen Künstlers Erwin Wurm, der Kleidung für seine Werke nutzt.

„Ihn interessieren aber nicht stilvolle Kombinationsmöglichkeiten, vielmehr untersucht und thematisiert er, wie sich diese Zweckentfremdung von Alltagskleidung auswirkt, wie der Körper die Kleidung verändert, verwandelt und ausdehnt“,

heißt es in der Ankündigung.

In der Blogparade soll der Frage nach dem Verhältnis von „Körper, Kleidung und Kunst“ nachgegangen werden oder anders ausgedrückt: „Was passiert, wenn Kleidung zu Kunst wird, und ist das dann tragbar?“ Nun ist dieses Blog weder ein Mode- noch ein Kunstblog und deshalb werde ich der Frage nachgehen, inwieweit Kleidung Teil eines Konzerterlebnisses ist. Beim Thema Kleidung und Konzert gibt es vier Protagonisten, die für mich ein Konzerterlebnis ausmachen: Dirigent – Orchester – Solistin – Konzertbesucherin.*

Orchester und Dirigent als Gesamtkunstwerk

Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks | Foto: Astrid Ackermann

Das Orchester bildet eine Einheit und soll musikalisch wie optisch natürlich als solche wahrgenommen werden. Die Kleidung spielt meiner Meinung nach dabei eine ganz große Rolle. Männer einheitlich meist im schwarzen Frack oder Anzug, Frauen ebenso in Schwarz und ohne jedes auffällige Beiwerk, denn nichts soll von der Musik ablenken. Die Kleidung hält die Orchestermitglieder zusammen, lässt sie zu einem Gesamtkörper – einem Gesamtkunstwerk verschmelzen.

Der Dirigent hat immerhin einen etwas größeren modischen Gestaltungsraum als die Orchestermusiker. Er hebt sich ja auch durch seine erhöhte Position bereits ein wenig vom Orchester ab. Aber ob nun im Frack (Mariss Jansons), in einer leger geschnittenen Jacke (Paavo Järvi) oder im (Puffärmel-)Hemd mit Schnürstiefeln (Teodor Currentzis), die Farbe Schwarz ist auch bei ihm (oder einer Dirigentin) die vorherrschende. Die Musik allein steht im Mittelpunkt, Orchester und Dirigent sind „nur“ ihre Überbringer. Man stelle sich vor, die Orchestermitglieder wären ganz individuell in den unterschiedlichsten Farben gekleidet. Das wäre ein sehr unruhiges Bild – das Orchester würde förmlich auseinanderfallen. Doch so bilden Orchester und Dirigent eine Art Vorhang und bereiten der Solistin oder auch dem Solisten die Bühne.

Die Solistin als Star des Abends

Saisoneröffnung 2013 Konzerthaus Dortmund (c)Pascal Rest (2)

Saisoneröffnung im Konzerthaus Dortmund mit Janine Jansen, dem Philharmonia Orchestra und Esa-Pekka Salonen
Foto: Konzerthaus Dortmund | Pascal Rest

Auf sie sind alle Blicke gerichtet, sie ist der Star des Abends. Klar, dass sie ein entsprechendes Outfit auswählt, bei dem der Bequemlichkeitsfaktor aber auch nicht außer Acht gelassen wird. Sie trägt meist ein bodenlanges Kleid, schlicht geschnitten, einfarbig und nie allzu ausgefallen. Letztendlich will auch sie durch ihr Äußeres nicht von der musikalischen Darbietung ablenken, sich jedoch deutlich vom Orchester abheben. Ich erinnere mich noch gut an die Robe, die Christiane Karg bei ihrem ersten Konzert (September 2013) als Artist in Residence mit dem hr-Sinfonieorchester trug – ein Traum aus Gold. Ich muss gestehen, dieses Kleid beeindruckte mich so sehr, dass ich ihm fast mehr Beachtung schenkte als dem Gesang.

Die Konzertbesucherin

Konzert-Outfit_1

Konzert-Outfit fürs Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals 2014.

Im Gegensatz zum Orchester besteht das Pubikum aus Einzelpersonen. Sie erleben das Konzert ganz individuell, und genauso individuell darf auch ihre Kleidung sein.

Da ich mir meine Konzert-Outfits größtenteils selbst nähe, fängt die Vorfreude auf das Konzert mitunter schon Wochen vorher im Stoffgeschäft an. So geschehen für das Eröffnungskonzert des diesjährigen Rheingau Musik Festivals. Das war das erste Konzert, für welches ich mir ganz gezielt ein Outfit schneiderte. Im Normalfall finde ich natürlich im Kleiderschrank immer etwas Passendes.

Einen Dresscode für klassische Konzerte gibt es heutzutage ja nur noch selten. Allerdings ist ein Konzertbesuch für mich immer noch etwas Besonderes, und mit der Auswahl meiner Kleidung unterstreiche ich dieses Gefühl. Mit meinem „besonderen“ Outfit für diesen Abend will ich meinen Respekt vor der Leistung der Künstler zum Ausdruck bringen. Für mich ist es eine Form der Wertschätzung und ein Beitrag zu dieser besonderen Atmosphäre, die doch jedes Konzert in gewisser Weise verströmt. Ein Kontrast zum (Berufs-)alltag eben.

Das klingt für viele nun vielleicht ein wenig angestaubt, aber das Schöne ist ja, dass es jeder oder jedem selbst überlassen bleibt, in welcher Kleidung sie oder er ein Konzert besucht. Das Ergebnis ist jedenfalls: Ein Publikum bestehend aus bunt gekleideten Individualisten applaudiert einem zurückhaltend einheitlich gekleideten Orchester und seinem Dirigenten sowie einer Solistin, die sich von diesem musikalischen Vorhang dezent, aber betont nicht nur musikalisch abhebt.

* Da Frauen generell mehr modischen Gestaltungsspielraum haben, bin ich hier bewusst nur auf den Dirigenten und andrerseits bei den Solisten nur auf die Solistin eingegangen.

Hier eine Abfolge, wie sich mein Respekt gegenüber den Künstlern in der (selbst geschneiderten) Kleidung ausdrückt.

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

2 Kommentare

  1. Liebe Ulrike,
    danke für Deinen spannenden Beitrag zur Blogparade! Die tollen Kleider können natürlich auch wunderbar bei einer Ausstellungseröffnung getragen werden – wir freuen uns also auf das nächste Treffen!
    Herzliche Städel-Grüße
    Silke

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