Konzert-Couch – Ein Resümee

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Konzert-Couch 2013

Konzert-Couch 2013

Das Jahr geht zu Ende. Der geeignete Zeitpunkt, die Konzert-Couch (siehe meine Ankündigung vom 17. April 2013) noch einmal Revue passieren zu lassen. Sechs vollkommen unterschiedliche Gäste haben in diesem Jahr auf ihr Platz genommen: ein Techblogger, ein Autoblogger, ein Fußballblogger sowie ein Museumsblog und zwei Bloggerinnen, deren Blogs multithematisch ausgerichtet sind.

Was hat mir die Konzert-Couch gegeben?

Mit der Konzert-Couch ist nicht nur die Idee verbunden, Menschen für klassische Musik zu begeistern, sie ist für mich auch eine Bereicherung. Ich habe Menschen getroffen, die ich vorher noch nicht kannte, und die zu völlig anderen Themen bloggen. Ebenso bin ich in Konzertsäle gekommen, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Alle meine Gäste waren äußerst sympathisch und es gab jede Menge Gesprächsstoff auch abseits der Musik. Bis auf eine Ausnahme haben sich im Vorfeld witzige, informative und unterhaltsame Gespräche in den verschiedenen Social Media (v. a. Twitter) ergeben. Auch andere Follower und Facebook-Freunde haben sich in die Gespräche eingeklinkt.

Das Thema Musik war natürlich vorherrschender Gesprächsstoff. Ich fand es außerordentlich interessant, was meine Konzert-Couch-Gäste über klassische Musik und klassische Konzerte denken, welche Fragen sie sich stellen und welche Anmerkungen sie zum Konzertablauf haben. In den Steckbriefen, die meine Gäste vorab ausfüllen müssen, kommt das zum Ausdruck: Steife Atmosphäre, für Laien teils schwer nachvollziehbare  Einführungen sowie fehlende Konzertbegleitung waren die häufigsten Argumente, die dazu führten ein Konzert erst gar nicht zu besuchen.

Was passiert danach?

Höchst aufschlussreich sind die Konzertberichte, die jeder Konzert-Couch-Gast nach seinem Konzerterlebnis auf seinem Blog schreiben muss (eine kleine Gegenleistung für den freien Eintritt). Sie bieten einen völlig anderen unvoreingenommenen Blick auf die Konzerte, eine ganz andere Wahrnehmung und Sichtweise. (hier die Übersicht der Steckbriefe und Berichte)

Etwas hatte ich jedoch nicht bedacht, bevor ich die Konzert-Couch ins Leben rief: Wie erklärt zum Beispiel ein Auto- oder Fußballblogger seinen Lesern und Leserinnen, weshalb er über ein klassisches Konzert schreibt? Aber da habe ich meine Gäste wohl unterschätzt, denn sie haben einen Dreh gefunden und es sind klasse Berichte dabei herausgekommen. Und das genau ist es, was ich mit der Konzert-Couch verbinde: von Bloggern aus anderen Bereichen lernen, sich austauschen. Wie man sieht – es funktioniert! Etwas schwieriger ist es dann, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Zu verschieden sind die Themen, über die wir bloggen und die damit verbundenen Interessen.

Wie reagieren die Konzertveranstalter?

Spannend ist auch, wie die Konzertveranstalter auf die Idee der Konzert-Couch reagieren. Da gab es diejenigen, wie etwa die Philharmonie Luxembourg oder das Konzerthaus Wien, die auf mich zukamen und sagten, „wenn du deinen Radius erweitern willst, bei uns bist du herzlich willkommen“ und sich sogar um einen Konzert-Couch-Gast für mich bemühten.

Dann gab es diejenigen, die auf Twitter nicht aktiv sind, mir aber per Email sofort zwei Tickets für ein Konzert zur Verfügung stellten, wie etwa die Alte Oper Frankfurt, das Rheingau Musik Festival (auch wenn ich diese Konzert-Couch absagen musste) und das hr-Sinfonieorchester. Schließlich gab es diejenigen, die auf meine Ticketanfrage per Twitter sofort reagierten, Tickets zur Verfügung stellten und auch rund um das „Konzert-Couch-Event“ fleißig mittwitterten wie das Konzerthaus Dortmund.

Letztendlich ist es nicht nur der Konzertbesuch, der das Event ausmacht. Auch das Twittern und gegenseitige Kennenlernen, d. h. die Kommunikation im Vorfeld, in die sich auch andere Twitterer und Facebook-Freunde einmischen, macht die Konzert-Couch zu etwas Besonderem. Hier hat jeder Konzertveranstalter die Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, dass er am Dialog mit potentiellen Besuchern interessiert ist.

Gibt es schon Pläne fürs nächste Jahr?

Es gibt Ideen und Pläne die Konzert-Couch im größeren Stil aufzuziehen und damit den „Wirkungsradius“ zu erweitern. Die Angebote aus Luxemburg und Wien werde ich unbedingt annehmen und realisieren. Auch Hamburg, Berlin, München und Amsterdam sind fest eingeplant – Frankfurt bzw. das Rhein-Main-Gebiet sowieso.

Ihr könnt euch also mit mir auf einige spannende Steckbriefe und Konzertberichte im neuen Jahr freuen.

Nachtrag: Auf meinem Blog Kultur 2.0 habe ich noch einen Beitrag, der sich in erster Linie an Konzertveranstalter richtet, geschrieben.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

2 Kommentare

  1. Es ist äußerst selten, dass man als Fußballblogger von Bloggern anderer Nischen kontaktiert wird (und umgekehrt). Umso mehr habe ich es genossen und goutiert, dass ich Teil dieses Projekts war. Als die Anfrage kam, habe ich sofort zugesagt, wohl wissend, dass das ein Thema ist, das meine Leser nicht (vornehmlich) interessieren würde.

    Der Abend in Dortmund war musikalisch grandios. Ich fühlte dennoch einen gewissen Druck, auf welche Weise dieses Thema nun in meinem Blog unterbringen zu wäre. Nicht sprachlich, sondern inhaltlich. Einige meiner Stammleser empfanden den folgenden Text als „vorhersehbar“, und da würde ich eigentlich zustimmen.

    Dass der Text auf Seiten der Liebhaber klassischer Musik (nicht zuletzt bei Twitter) einige positive Reaktionen auslöste, war natürlich eine schöne Sache, liegt aber wohl daran, dass diese wiederum in ihrer Nische sitzen und ein solcher Text aus einer andere Nische dann eine willkommene – sagen wir – „Wertschätzung“ aus anderer Ecke ist als aus jener, welche sie gewohnt sind.

    Wie auch immer, ich will mich jetzt nicht dafür entschuldigen, dass ich innerhalb der Fußballnische einen „vorhersehbaren“ Konzertbericht geschrieben habe. Es ist eher so, dass die jeweiligen Parallelen auf der Hand liegen und wenn man sie ausformuliert damit vielleicht etwas platt wirkt.

    Ich danke für die Einladung, dafür, dass ich teilnehmen durfte und wünsche weiterhin besten Erfolg. Einen Blogger kann es aber in gewisser Weise vor eine Herausforderung stellen, wenn er in seinem themenspezifischen Blog dazu „unbedingt“ bloggen soll. Das könnte man vielleicht überdenken. Sag ich zumindest aus meiner sehr themenspezifischen Bloggersicht heraus.

    Aber natürlich ist die Grundidee weiterhin super.

    • @TrainerBaade Freut mich, dass es dir gefallen hat.
      Ich kann das mit dem Druck verstehen, v.a. wenn man so auf ein Thema festgelegt ist, wie du. Die Damen hatten es da ja einfacher …

      An dem „Darüber-Bloggen“ möchte ich schon festhalten, weil dies ja gerade für „meine Szene“ und die Konzertveranstalter reizvoll ist. Es gibt ja keine Vorgaben.
      Was der oder die Einzelne daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen. Das muss ja auch gar kein Konzertbericht sein. Theoretisch hättest du auch nur ein Foto posten können. ;-)

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