Der Konzert-Couch-Steckbrief #06

| Keine Kommentare

Am kommenden Donnerstag steht erneut eine Konzert-Couch an. Dieses Mal geht es wieder zu einem Konzert des hr-Sinfonieorchesters, das mir freundlicherweise Karten für das „Junge Konzert“ zur Verfügung gestellt hat. Mein Gast ist etwas ungewöhnlich: Kunst trifft Musik. Aber lest selbst …

Städel Museum ӏ Foto: Norbert Miguletz

Städel Museum ӏ Foto: Norbert Miguletz

Wer bist du?
Ich bin eine der ältesten und renommiertesten Museumsstiftungen in Deutschland. Benannt bin ich nach meinem Gründer Johann Friedrich Städel (1728–1816). Hinter den Mauern meines Domizils beherberge ich eine der wichtigsten Kunstsammlungen Europas. Die Vielfalt der Sammlung bietet einen nahezu lückenlosen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte – vom frühen 14. Jahrhundert über die Renaissance, den Barock und die klassische Moderne bis in die unmittelbare Gegenwart. Insgesamt versammle ich rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, 1.600 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Grafiken, darunter Werke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn, Claude Monet, Pablo Picasso, Max Beckmann, Alberto Giacometti, Gerhard Richter oder Corinne Wasmuht.

Wo wohnst du?
Seit der Gründung der Stiftung des Städel Museums vor fast 200 Jahren, 1815, lebe und arbeite ich in Frankfurt am Main. Seit 1878 ist meine Adresse direkt in bester Lage am Museumsufer am Schaumainkai 63.

Über welche Themen bloggst du?
Das Städel Blog gibt viele Einblicke hinter die Kulissen des Museums in all seinen Facetten. So werden ebenso die verborgenen Arbeiten in unseren Restaurierungswerkstätten vorgestellt als auch zum Beispiel einzelne Kunstwerke. Prominente Künstler und Gäste des Städel Museums werden interviewt, unsere Ausstellungsfilme sind zu sehen, aber auch Techniken der Fotografie werden vorgestellt: Neues zu den Alten Meistern, Hintergründe über die Klassiker der Kunst der Moderne und aktuelle Geschichten zur Kunst der Gegenwart – und somit Geschichten zu und über die vielen Werke aus sieben Jahrhunderten.

Welche Musikrichtungen hörst du?
Einige Werke der Gegenwartskunst arbeiten mit Soundinstallationen, so gibt es im Städel Museum unter anderem eine Arbeit des Frankfurter Künstlers Michael Riedel. Hier hört der Besucher eine Tonspur, die wie eine Computerstimme klingt und unzählige Wörter in unterschiedlichen Betonungen wiederholt und ohne Pause aneinanderreiht. Und die Künstlerin Adrian Williams hat jüngst im Städel Garten eine sehr aufwendige Performance, die Musik, Text und Klangobjekte verbindet, unter Mitwirkung von Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie und des Kinderchors Frankfurt realisiert.

In den Sammlungsbereichen der Alten Meister und der Kunst der Moderne gibt es zudem viele musikalische Gemälde zu bestaunen, die die Ohren unsere Besucher zum Klingen bringen: Beispielsweise „Der Geiger am Fenster“ von Otto Scholderer aus dem Jahr 1861 oder Max Beckmanns Stillleben mit Saxophonen von 1926. Auf vielen Stilleben aus dem 17. Jahrhundert sind übrigens neben üppigen Blumen oder Speisen auch mal Blockflöten zu sehen.

Warst du schon mal in einem klassischen Konzert? / Wann warst du zum letzten Mal in einem klassischen Konzert?
Es gab und gibt immer wieder Verbindungen des Städel Museums zur klassischen Musik und zu Konzerten. So fand im Städel beispielsweise im März 2012 im Rahmen der 1822-Nächte eine Nacht der Kammermusik mit Musikstücken, die von Barock über Klassik bis Neue Musik reichten, statt. Die Oper Frankfurt war dafür zu Gast im Städel Museum, sodass ein erfrischender Dialog von Musik und Gesang und den Meisterwerken des Städel entstand.

Was ist dir davon positiv in Erinnerung geblieben?
Spannend war die gemeinsame Wahrnehmung von Kunst und Musik: man hörte mal konzentriert, mal schwelgend der Musik zu und konnte dabei den Blick über die verschiedenen Kunstwerke schweifen lassen – das ergänzte sich außerordentlich und sorgte für Inspiration pur!

Was ist dir davon negativ in Erinnerung geblieben?

Was hält dich von Konzertbesuchen ab?
Zugegebenermaßen ist das Städel Museum doch recht verwurzelt als Museumsgebäude, aber Konzerte und auch künstlerischen Arbeiten mit Musik und Musikern sind weiterhin sehr willkommen!

Was müsste passieren, damit du häufiger in ein klassisches Konzert gehst?

Wenn du was am Konzertablauf ändern könntest, was wäre das?

Wie müssten Orchester im Social Web agieren, damit du in klassische Konzerte gehen würdest? / Würdest du überhaupt ihre Aktivitäten verfolgen?
In Zeiten des Social Web, der digitalen Medien und der starken Präsenz des Internets im alltäglichen Leben ist sicherlich die Zeit reif für eine neue Form der Kulturvermittlung, die auch über die physischen Grenzen der einzelnen Häuser viele Interessierte und auch mal ganz andere Besucher erreicht, als die, die bereits vor Ort in die Institutionen kommen.  Vielleicht könnte ein klassisches Konzert aus dem Konzertsaal auch mal live im Netz übertragen werden? Und vorab könnten dem Dirigent per Twitter Fragen gestellt werden? Da gibt es sicherlich vieles, was man ausprobieren könnte.

Die Fragen fürs Städel Museum beantwortete die Pressereferentin Silke Janßen. Sie wird das Museum auch im Konzertsaal vertreten.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.