Musikliebhaberin trifft Musikexperten

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Harald Budweg und Ulrike Schmid

Musik verbindet: Harald Budweg und Ulrike Schmid | Foto: Christoph Werkhausen

Wer im Rhein-Main-Gebiet mit klassischer Musik zu tun hatte, kam an einem Namen nicht vorbei: Harald Budweg. 22 Jahre lang war er Kulturredakteur im Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z). Heute hat er nun seinen letzten Arbeitstag und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Für mich war Harald Budweg eine Musikbibel. Ich habe viel von ihm gelernt und von seinem umfangreichen Musikwissen und Erfahrungsschatz profitiert. Es war mein ganz großes Glück, dass ich ihn kennen gelernt habe und zu zahlreichen Konzerten begleiten durfte. Im August 2009 besuchten wir zum ersten Mal gemeinsam ein Konzert im Kurhaus Wiesbaden. Und ich kann euch sagen, ich war schon etwas nervös. Warum? – Vermutlich können das nur diejenigen nachvollziehen, die ihn persönlich kennen. Musik-„Liebhaberin“ mit Laienwissen trifft auf Musik-„Experten“. Aus meiner Sicht ist er die „Musik-Instanz“ schlechthin, und ich kenne Menschen, die wesentlich mehr Ahnung von klassischer Musik haben als ich, die ihm ebenfalls mit großem Respekt begegnen.

Das Who is Who der Orchester

Seither hab ich gefühlt 170 Konzerte mit ihm besucht. So genau weiß ich das leider nicht mehr, da ich anfangs nicht so genau Buch darüber geführt habe. Das kam alles erst später. Wir besuchten fast ausschließlich Sinfoniekonzerte, vor allem die „großen“ Orchester: New York Philharmonics, Berliner Philharmoniker, Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Koninklijk Concertgebouworkest, London Symphony Orchestra, Mariinsky Theater Orchester St. Petersburg. Ich kenn sie jetzt alle! Natürlich gab es auch Konzertbesuche bei weniger prominenten Namen. Schließlich kommt es nicht nur auf den Namen, sondern aufs Programm an. Harald Budweg kannte auch mein Faible fürs WDR-Sinfonieorchester, was mich unter anderem zu einem Konzert nach Viersen brachte. Einmal stand sogar ein Kammerkonzert im Schloss Waldthausen in Budenheim auf dem Programm. Meine treuen Blog-LeserInnen wissen, dass Kammerkonzerte nicht so unbedingt zu meinen Favoriten zählen. Aber Harald Budweg kennt auch meine Vorliebe für besondere Konzertorte.

Immer etwas Besonderes

Wenn er mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm nach Stuttgart, Dresden, Dortmund, Kaiserslautern, Utrecht oder Luxemburg zu fahren, schaute ich nur kurz in meinen Terminkalender und sagte zu, ohne mir das Programm näher angesehen zu haben. Das war (erstmal) überflüssig, denn ich wusste: Wenn er sich auf den Weg macht, dann muss es ein besonderes Programm sein, ein Programm, das ich im Rhein-Main-Gebiet so schnell nicht zu hören bekommen würde. Und so war es dann auch. Ich wurde nie enttäuscht und habe Werke gehört, die nur selten auf dem Konzertplan stehen: ob in Kaiserslautern, in Dresden oder erst jüngst ein Konzert mit dem Radio Filharmonisch Orkest in Utrecht. Oder kennt ihr die Sinfonie Nr. 21 von Nikolai Jakowlewitsch Mjaskovski? Ich kannte sie bis dahin nicht. Okay, das hr-Sinfonieorchester hat dieses Werk vor circa 15 oder 20 Jahren in Aschaffenburg aufgeführt … Doch seither gab es dieses Werk im Rhein-Main-Gebiet leider nicht mehr zu hören. Besonders unvergesslich ist mir der Besuch im „Het Concertgebouw“ in Amsterdam zu Hans Werner Henzes „Floss der Medusa“, das im Rahmen einer „ZaterdagMatinee“ aufgeführt wurde. Eine „ZaterdagMatinee“ lohnt sich schon deshalb, weil man für kleines Geld ein Konzert im wohl besten, berühmtesten und auf jeden Fall sehr schönen Konzertsaal erleben kann.

Eine musikalische Freundschaft

In diesen sieben Jahren hat sich mit den Konzertbesuchen eine Freundschaft entwickelt, die überwiegend auf der klassischen Musik beruht und bei der meine beruflichen Themen stets außen vor blieben. Daran änderte sich auch nichts, als ich später fürs hr-Sinfonieorchester arbeitete. Wobei das hr-Sinfonieorchester natürlich des Öfteren unser Thema war. Überhaupt: Hätte Harald Budweg sich nicht so wohlwollend übers hr-Sinfonieorchester geäußert, vielleicht wäre ich nie Fan dieses Rundfunkorchesters geworden. Wer weiß?

Danke Harald Budweg für die wunderbaren Musikerlebnisse, dass ich so viel von Ihnen über klassische Musik lernen durfte und überhaupt – es war eine schöne Zeit …

P. S. Am vergangenen Samstag gab es im Treffpunkt hr-Sinfonierochester ein 45-minütiges Interview, das Christoph Werkhausen und ich in der Reihe „Pausenfüller“ mit Harald Budweg geführt haben.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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