Und dann kam der Schnee

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Der Solist des Abends: Steven Isserlis ӏ Foto: Satoshi Aoyagi

Der Solist des Abends: Steven Isserlis ӏ Foto: Satoshi Aoyagi

Ein weihnachtlich-winterliches Konzertprogramm präsentierte das hr-Sinfonieorchester vergangene Woche (13. Dezember 2013) in der Alten Oper Frankfurt. Unter der Leitung von Paavo Järvi standen Tuttifäntchen, Suite für kleines Orchester von Paul Hindemith, Sergej Prokovjews Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 58 sowie die Sinfonien Nr. 6 d-Moll op. 104 und Nr. 7 C-Dur op. 105 von Jean Sibelius auf dem Programm. Der Solist des Abends war der britische Cellist Steven Isserlis.

Heiterkeit und Schwere

Der Abend begann mit Hindemiths Tuttifäntchen, das just an diesem Tag vor 91 Jahren in Darmstadt uraufgeführt worden war. Tuttifäntchen erzählt die Geschichte eines zum Leben erweckten Holzkaspers, der kein Herz hat und deswegen zunächst viel Unsinn anstellt. Am Ende wird aber alles gut. Hindemith zeigt sich mit diesem Werk von seiner spielerischen Seite (er war ja auch selbst ein begeisterter Spieler). Die Suite beginnt mit der bekannten Weihnachtsmelodie, „Kommet ihr Hirten“, und endet mit „Herbei, o ihr Gläubigen“. Ich konnte es mir nicht verkneifen, mit dem Fuß zu wippen, da die Suite so heiter, frisch und melodisch ist. Anklänge an einen Marsch oder Tanz finden sich darin ebenfalls – kurzum sie ist äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Tuttifäntchen vermittelte mir einen ganz „anderen Hindemith“, als jenen, den ich bisher etwa vom Schwanendreher oder der Trauermusik kannte. Beide empfinde ich eher als „sperrig“. Tuttifäntchen dagegen ist ein Werk, das gute Laune verbreitet, und wenn ich mir die Aufzeichnung bei Arte Live Web so ansehe, verströmen sowohl Paavo Järvi als auch die Musiker und Musikerinnen große Freude beim Spiel.

Nicht so gut kam ich mit der russischen Schwere des Cellokonzerts klar. Steven Isserlis spielte die Erstfassung, die noch etwas spröder daherkommt, wie es in der Einführungsveranstaltung hieß. Aber gut Ding will Weile haben, und vielleicht schließen das Cellokonzert und ich demnächst Freundschaft. Ungeachtet dessen war ich, wie so oft, beeindruckt, aus nächster Nähe dem Spiel des Cellisten zuzusehen und quasi hautnah zu erleben, welche Leistung er vollbrachte.

Und dann kam der Schnee

Der finnische Komponist Jean Sibelius schrieb über seine 6. Sinfonie, sie erinnere ihn an den Duft des ersten Schnees. Der Duft kam zwar bei mir nicht an, wohl aber zogen winterliche Landschaftsbilder vor meinem geistigen Auge auf: schneebedeckte Hügel und Bäume, ein ruhig dahinplätscherndes Bächlein in weißer Winterlandschaft. Bewirkt haben das die harmonischen, ruhigen und sanften Klänge der 6. Sinfonie, die schließlich pausenlos in die 7. Sinfonie überging, so als gehörten die beiden zusammen.

Das Konzert wird am Freitag, dem 27. Dezember 2013 ab 20.05 auf hr2-kultur gesendet und ist als Video-on-Demand bei Arte Live Web verfügbar.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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