Vom Theater- in den Konzertsaal

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Das Landestheater Schwaben 20 Jahre später

Das Landestheater Schwaben

Auf die Frage, warum ich nicht ins Theater gehe, könnte ich eine ganz einfache Antwort geben: „Weil ich immer ins Konzert gehe.“ Und das entspricht ganz der Wahrheit. Doch damit würde ich es mir ein bisschen zu einfach machen. Orchestermusik ist zwar meine große Leidenschaft, aber das war nicht immer so. Am Anfang war nämlich tatsächlich das Theater.

Warum ich diese Frage hier überhaupt stelle? Nun, das Theater Heilbronn hat zur Blogparade „Alles nur Theater?“  aufgerufen und dies ist mein Beitrag dazu.

Irgendwer hat mal gesagt, dass es die Provinztheater seien, die den großen, renommierten Häusern das Publikum zuführen. Ich kann das nur bestätigen und breche damit auch eine Lanze für die Theater in der Provinz.

Theateranfänge

In meinem Fall war es das Landestheater Schwaben (LTS) in Memmingen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich ohne die dortigen Theaterbesuche in meiner Jugendzeit den Weg in den Konzertsaal nicht gefunden hätte. In Memmingen besuchte ich die ersten Schauspiele – ganz freiwillig ohne schulischen oder elterlichen Zwang. Die große Schwester nahm mich mit. Ich erinnere mich sogar noch an meine erste Aufführung, die ich am LTS sah: „Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ von Peter Weiss. Sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Jahre später begegnete mir die Person „Marat“ im Geschichtsstudium wieder und noch später in der Oper Andrea Chérnier von Umberto Giordano bei den Bregenzer Festspielen.

In Memmingen also wurden die Weichen gestellt. Es tat sich eine Welt für mich auf, die ich bisher nicht kannte. Vermutlich etwas untypisch für eine 15-Jährige begann ich diverse „Klassiker“ von Shakespeare über Goethe und Schiller bis hin zu Lessing freiwillig zu lesen. Das hätte etwas werden können mit dem Theater und mir …

Oper und Ballett

Doch es kam anders. Am Ulmer Theater bekam ich den ersten Kontakt mit der Oper. Und siehe da, die Musik hatte es mir noch wesentlich mehr angetan. Später kam mit dem neuen Lebensmittelpunkt Mailand noch „mehr Oper“. Es war nicht so, dass ich ständig in der Scala war, aber als ich die erste Karte für eine Opernaufführung ergatterte, war das schon ein besonderer Moment, und ich habe die eine oder andere Aufführung auf dem günstigsten Platz gesehen. Theateraufführungen spielten fortan eine eher untergeordnete Rolle.

Zurück in Deutschland waren erst das Aalto-Theater und das Theater Münster meine „theatrale Heimat“. Ich erinnere mich an einige tolle Ballett- und Opernaufführungen in Essen. Auch ein erstes Herantasten an klassische Konzertbesuche, v. a. Orgelkonzerte – da schleppte mich meine Mitbewohnerin hin – und auch die Semesterabschlusskonzerte waren jetzt an der Reihe.

Und dann kamen die Konzerte

Die „Verwandlung“ von der Opern- zur Konzertgängerin und zum Orchesterfan kam dann endgültig in Frankfurt. Rückblickend betrachtet, weiß ich nicht mehr genau, wie alles anfing. Berufsbedingt hatte ich bald mit klassischer Musik, insbesondere mit Konzerten, zu tun, die somit eine immer wichtigere Rolle für mich spielten. Das Schauspiel habe ich darüber völlig aus den Augen verloren. In den gut zehn Jahren, in denen ich nun in Frankfurt lebe, habe ich noch keine einzige Theateraufführung im Schauspiel Frankfurt gesehen. Warum? Zum einen geht in meinem privaten Umfeld kaum jemand ins Theater, niemand, der mich also „mitziehen“ würde, und mein Eigenantrieb diesbezüglich reicht einfach nicht aus. Sicherlich ist es auch meiner musikalischen Vorliebe und damit einer selektiven Wahrnehmung zuzuschreiben, dass ich kaum von Theateraufführungen höre oder lese, während ich von Konzerten ständig und überall erfahre. Bekomme ich dann mal etwas mit und will mir eine Aufführung ansehen, ist sie bereits ausgebucht, wird kurzfristig abgesagt oder der Termin passt nicht.

Ich weiß schon, das sind alles keine wirklichen Argumente. Nur – da ich mich in meiner Musikwelt so aufgehoben und zuhause fühle, ist mein Verlangen nach Schauspiel nicht sonderlich groß. Sorry, liebes Theater …

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Beraterin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Seit April 2014 arbeitet sie als PR-Referentin beim Hessischen Rundfunk. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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