Vorgestellt: Tom Greenleaves

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In der Reihe „Vorgestellt“ sprechen Orchestermusikerinnen und -musiker über ihre Beziehung zu ihrem Instrument, Probespiel, Rituale, Konzerterlebnisse sowie „musikalischen Wünsche“. Zu Wort kommen Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Orchestern, egal ob sie in einem Sinfonie-, Opern- oder Kammerorchester, in einem deutschen oder ausländischen Orchester spielen.

Heute lernen Sie den Solo-Pauker des Gewandhausorchesters Leipzig, Tom Greenleaves, kennen.

Solo-Pauker Tom Greenleaves vom Gewandhausorchester Leipzig

Solo-Pauker Tom Greenleaves vom Gewandhausorchester Leipzig

Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Instrument?

Ohne jeglichen erotischen Bezug hineininterpretieren zu wollen, muss ich schon sagen, dass für mich meine Pauken „my girls“ sind! Wenn ich das Gefühl habe, es ist mir mit denen gelungen, das Orchester zu bereichern bzw. zu führen, einigermaßen so, wie die Musik von „uns“ verlangte, empfinde ich es schon als eine tolle Kollaboration mit meinen Mädels. Außerdem kann ein solch kraftvolles, bebendes Instrument eh nur weiblich sein!

Welche Erinnerung haben Sie an Ihr Probespiel beim Gewandhausorchester Leipzig?

Das war im Frühsommer 2006 und ich weiß noch, ich wachte mit einem für einen Probespieltag sehr ungewöhnlich energischem aber eben auch äußerst gelassenem Gefühl auf. Ich wusste, dass ich in der Lage sein würde, eine für mich wirklich gute Leistung abzurufen. Wenn man das nur steuern könnte!

Im Gewandhaus dann, obwohl hinter der Bühne natürlich eine extrem hohe Anspannung herrschte, empfand ich alle von der Orchester-Seite als wirklich sehr entspannt, freundlich und herzlich. Ich hoffe sehr, wir vermitteln eine möglichst herzliche Atmosphäre bei unseren Probespielen nach wie vor!

Als mir der Orchestervorstand dann die Stelle anbot, waren nur Tränen angesagt.

Wo üben Sie am liebsten?

Dies behauptet bestimmt jeder Musiker von seinem jeweiligen Instrument, doch Pauken klingen ja wirklich nicht sonderlich ansprechend, gespielt in einem kleinen Überaum … Deshalb bin ich gerne lang vor der Probe, bevor meine Kollegen alle ankommen, im Großen Saal des Gewandhauses und übe in unserer wundervollen Akustik. Da haben wir ein ungeheures Glück.

Welches war Ihr schönstes Konzerterlebnis?

Die Frage ist aber ziemlich unfair! Wer kann sich da auf ein Einziges einschränken? Sehr besonders sind immer Konzerte, in denen Familie im Publikum ist. Daher sind einige meiner intensivsten Erlebnisse auf der Bühne eben dann gewesen, wenn meine Lieben hier im Gewandhaus im Publikum saßen. Ebenso besonders für mich sind unsere (glücklicherweise) regelmäßigen Konzerte in London bei den Proms oder den Barbican-Residencies, wo ich Freunde und Familie einladen kann.

Haben Sie ein persönliches Ritual vor einem Auftritt? Verraten Sie es?

Ganz ehrlich, ich habe keines. Das, was ich gleich zu spielen habe, aber vor allem meine eigene Tagesform entscheidet, wie ich die Zeit unmittelbar davor verbringe. Sicher brauche ich manchmal auch Ruhe, um mich zu sammeln, ist aber nicht immer der Fall.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das in musikalischer Hinsicht?

Ich bin ja nicht gerade seit drei Jahrzehnten schon in diesem Beruf, trotzdem gehören allerlei solche Wünsche inzwischen doch eher der Vergangenheit an. Ich habe das Privileg, dass mir in meinem Orchester ein spannender Spielplan, der mich fordert, mit Musikern, die mir viel abverlangen, auf langer Sicht, denke ich, gewährt bleibt. Darum, wenn ich Richtung Zukunft blicke, kommen mir eher zwei innige Wünsche: erstens, dass mir die Möglichkeit, Musik auf diesem Niveau und auch noch für mein Lebensunterhalt machen zu können, immer etwas extrem Besonders bleibt; zweitens, dass meine Wahlheimat Deutschland ihre Orchester und Opernhäuser bis in alle Ewigkeit so sehr schätzt und unterstützt, wie ich das hier bisher erleben durfte.

Tom Greenleaves ist bei Twitter als @TomGreenleaves zu finden.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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