Vorgestellt: Tomoko Tadokoro

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In der Reihe „Vorgestellt“ sprechen Orchestermusikerinnen und -musiker über ihre Beziehung zu ihrem Instrument, Probespiel, Rituale, Konzerterlebnisse sowie „musikalischen Wünsche“. Zu Wort kommen Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Orchestern, egal ob sie in einem Sinfonie-, Opern- oder Kammerorchester, in einem deutschen oder ausländischen Orchester spielen.

Heute lernen Sie die Solo-Kontrabassistin Tomoko Tadokoro von den Dortmunder Philharmonikern kennen.

Tomoko Tadokoro, Solo-Kontrabassistin bei den Dortmunder Philharmonikern

Tomoko Tadokoro, Solo-Kontrabassistin bei den Dortmunder Philharmonikern

Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Instrument?

Ich spiele Kontrabass. Mein Instrument ist für mich ein großes Baby. Beim Tragen verhalte ich mich dementsprechend. Wir waren ständig mit dem Zug unterwegs, bis ich mir ein Auto gekauft habe. Wenn ich in den Zug eingestiegen bin, suchte ich erst eine schöne Ecke für den Bass, wo er gut stehen bleiben konnte. Dann behielt ich ihn die ganze Zeit im Auge.

Mein Bass kann gleichzeitig ich selbst sein. Er ist ein Teil von mir. Beim Spielen kommunizieren wir untereinander. Bei einem Unfall wurde sein Hals abgebrochen. Als ich die Hülle aufgemacht habe, sah ich da „mich“ in der Hülle verletzt.

Welche Erinnerung haben Sie an Ihr Probespiel bei den Dortmunder Philharmonikern?

Das war für mich das erste Probespiel für eine Soloposition. Es war Dezember 2007, kurz vor Weihnachten. Ich wollte nicht unbedingt Stimmführer werden, weil ich bis dahin Tutti im großen Orchester gespielt habe. Trotzdem wollte ich versuchen, mein Bestes zu geben. Nach der letzten Runde kam ein amerikanischer Posaunist zu mir und sagte, “ you got the job!“ Das hat mich richtig gefreut.

Wo üben Sie am liebsten?

Ich übe zu Hause. Aber nach Bedarf übe ich auch im Theater. Da kann ich mich besser konzentrieren, weil ich ohne Rücksicht auf die Nachbarn laut spielen kann!

Welches war Ihr schönstes Konzerterlebnis?

In meiner Akademiezeit im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin durfte ich Lohengrin unter der Leitung von Kent Nagano beim Festspiel im Festspielhaus Baden-Baden 2006 mitspielen. Es war ein schönes Erlebnis. Die Bühne war spektakulär. Mit den Sängern haben wir sehr konzentriert geprobt. Nur für zwei oder drei Abende arbeiten um die tausend Leute auf der Bühne, hinter der Bühne und unter der Bühne. Die Produktion war für mich die erste Oper mit richtiger Bühne. Vom gesamten Werk war ich sehr begeistert.

Ich spiele Barockmusik sehr gerne. Als ich in Salzburg studiert habe, hatte ich mehrere Gelegenheiten mit den Professoren zu spielen. Es spielt sich so frei und ist sehr emotional wie festlich, Barock zu spielen. La Follia von Vivaldi ist mein Lieblingsstück.

Haben Sie ein persönliches Ritual vor einem Auftritt? Verraten Sie es?

Vor dem Auftritt wasche ich meine Hände, mache etwas Stretch und hole tiefen Atem. Sonst versuche ich beim Auftritt schon die Stimmung vom Stück mitzubringen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das in musikalischer Hinsicht?

Ich würde gerne Octobass spielen. ;-) Octobass ist ein riesiger Kontrabass mit drei Saiten bei einer Gesamthöhe von 3,45 m. Man kann noch tiefer als Kontrabass spielen

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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