Vorurteile abgebaut – Neugierde geweckt

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hr-Sinfonieorchester. Foto: Anna Meuer, Tim Wegner | hr

hr-Sinfonieorchester. Foto: Anna Meuer, Tim Wegner | hr

So kann das weiter gehen – immer wieder neue Hörerlebnisse mit dem hr-Sinfonieorchester. So auch am vergangenen Freitag, 14. Dezember, in einem Konzert in der Alten Oper, das von Paavo Järvi geleitet wurde. Der Solist des Abends war der Bratschist Antoine Tamestit.

Neue Musik trifft Spätromantik

Ich war zunächst etwas skeptisch, weil mit Igor Strawinskys „Scherzo fantastique“ und Paul Hindemiths „Trauermusik“ und „Schwanendreher“ Werke von Vertretern der Neuen Musik auf dem Programm standen. Die können meinem Geschmack nach ja schon mal „speziell“ sein. Adelheid Coy hatte in der Konzerteinführung, die es bei  allen hr-Sinfoniekonzerten in Frankfurt gibt, sinngemäß gesagt:“ Bei Hindemith sind Sie gefordert, bei Tschaikowsky können Sie sich zurücklehnen und einfach nur die Musik genießen.“ Nach der Pause wurde nämlich Peter Tschaikowskys „1. Sinfonie g-Moll op. 13 Winterträume“, ein Werk der Spätromantik, aufgeführt.

Und genauso erging es mir (zunächst) auch. Das mag auch daran liegen, dass ich per se sinfonische Orchesterwerke mit großer Besetzung einfach lieber mag, die berühren mich mehr. Sowohl bei Strawinsky als auch bei Hindemith war eine kleine Orchesterbesetzung angesagt.

Bei Hindemiths Werken handelte es sich um Konzerte für Bratsche und kleines Orchester. Betonung liegt auf kleinem Orchester, beim „Schwanendreher“ gibt es im Orchester weder Violinen noch Bratschen, dafür viele Blasinstrumente. Fand ich schon erstaunlich, denn sonst bilden die Streichinstrumente immer die größte Instrumentengruppe auf der Bühne.

In Bild und Ton

Bei dem Konzert wurde mir bewusst, wie wichtig es für mich ist, die Musikerinnen und Musiker aus nächster Nähe zu sehen. Plätze im Parkett sind für mich deshalb also eigentlich nur das halbe Konzertvergnügen – zumindest in der Alten Oper Frankfurt. Im Parkett fehlen mir der Überblick und die Nähe. Aber genau das macht für mich das Konzerterlebnis aus. Dadurch, dass ich sehe, wenn eine Klarinette einsetzt, höre ich sie auch deutlicher raus. Es schult mein Gehör und bringt mir die Musik näher.

Am Freitag hatte ich so einen Parkettplatz weiter hinten. Glücklicherweise wurde das Konzert nicht nur für hr2-kultur aufgezeichnet, sondern auch für arteLiveWeb. Erst durch das Ansehen dort haben sich mir die beiden Hindemith-Konzerte erschlossen. Ich finde sie mittlerweile richtig gut. Direkt nach dem Konzert hatte ich eher so einen „na-ja-ganz-nett-Eindruck“. Das hat sich durch die „Bildübertragung“ geändert. Einfach, weil ich die Musik viel unmittelbarer wahrgenommen habe und genau sah, was auf der Bühne vor sich ging. Mittlerweile habe ich sie mir wiederholt angesehen. Das hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass ich mich zunehmend in „Hindemith“ reinhöre. Klar ist Tschaikowsky immer noch eingängiger, aber möglicherweise nur deshalb, weil ich die Harmonien (noch) viel öfter gehört habe.

Und wer sich selbst einen Eindruck von dem kompletten Konzert machen will, hat dazu am 25. Dezember Gelegenheit. Ab 20.05 Uhr wird es bei hr2-kultur übertragen. Bei arteLiveWeb ist es noch bis Dezember 2013 zu sehen.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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