Was macht eigentlich ein …?

| Keine Kommentare

… Dramaturg

Maul_Andreas-03 - Isabel Schad

Andreas Maul, Chefdramaturg beim hr-Sinfonieorchester | Foto: Isabel Schad

Den Dramaturgen kennt fast jeder vom Theater oder der Oper. Was die Dramaturgen dort genau machen, hat das Theater Heilbronn unlängst in einem Blogbeitrag erläutert. Doch was macht der Dramaturg eigentlich bei einem Sinfonieorchester? Das fragte ich den Chefdramaturgen des hr-Sinfonieorchesters Andreas Maul.

Der Redakteur des Orchesters

Vom Theater kennen wir den Produktionsdramaturgen als Vermittler zwischen Bühne und Publikum. Er berät beispielsweise das Regieteam, begleitet die Inszenierungsphase, erstellt ggf. das Programmheft, d. h. er vermittelt Inhalte an das Publikum. Ähnlich verhält es sich beim Konzertdramaturgen. Auch er versorgt das Publikum mit Hintergrundinformationen. Inhaltliche Hintergründe sollen das Konzerterlebnis vertiefen. So ist eine der Hauptaufgaben des Konzertdramaturgen die Erstellung und Redaktion des Programmheftes. Er schreibt über das Werk, den Komponisten und die Solisten – ein Dramaturg beim hr-Sinfonieorchester muss also viel schreiben. Doch das ist noch nicht alles. Mit ihrer fachlichen Kompetenz unterstützt die Dramaturgie die Marketing- und Presseabteilung des Orchesters, hier seien vor allem die Saisonbroschüre und die Redaktion der Website genannt, und ist mit verantwortlich für die Pressearbeit. Dazu kommen noch CD-Booklets, Programmhefte während der Saison, Facebook, YouTube usw. Alles was schriftlich über das hr-Sinfonieorchester veröffentlicht wird, läuft inhaltlich über den Schreibtisch von Andreas Maul.

Vermittler in alle Richtungen

Abgesehen von den umfangreichen redaktionellen Tätigkeiten ist der Konzertdramaturg auch in die Programmentwicklung involviert. Der permanente Prozess der Saisonplanung setzt bereits zwei Jahre im Voraus ein. Die Dramaturgie gibt inhaltliche Vorschläge, die mit dem Dirigenten und den Solisten besprochen werden. Noch bevor das Programm überhaupt steht, wird bereits vom Konzertmanagement ein Dirigent gesucht. Ist dieser gebucht, folgen die Solisten. Jetzt erst startet die Programmdiskussion. Als Chef-Dramaturg des hr-Sinfonieorchesters bespricht Andreas Maul mit dem Musikchef Michael Traub die Programmlinie über mehrere Jahre. Die Dramaturgie ist hier stark in die inhaltliche Entwicklung eingebunden. Andreas Maul veranschaulicht dies an einem Beispiel: Diskutiert und beschließt man als Programmlinie etwa die Präsentation einer Werkschau eines Komponisten wie in der Vergangenheit etwa aller Sinfonien Mahlers oder Bruckners, so verteilt man diese zunächst auf die jeweilige Saison bzw. auf die angedachten Spielzeiten. Dann schaut man, was zu dieser oder jener Sinfonie musikalisch passt. Und genau diese Vorschläge werden von Seiten der Dramaturgie geliefert und müssen anschließend mit den beteiligten Interpreten diskutiert und abgestimmt werden. Haben sie diese Werke überhaupt in ihrem Repertoire? Sind sie bereit, die Werke einzustudieren?

Man macht also nicht einfach ein schönes inhaltliches Programm und das war’s. Es spielen laut Andreas Maul so viele Einflüsse von außen mit, das letztendlich das perfekte Programm durch eine unbedachte Situation für den Papierkorb sein kann. So geschehen vor zwei Jahren, als man ein wunderschönes Programm für ein Debütkonzert im hr-Sendesaal auf die Beine gestellt hat. Leider hatte man nicht bedacht, dass das Anschlusskonzert am nächsten Tag in Fulda stattfinden sollte und die Orchesterbesetzung dort zu groß war, sprich, nicht auf die Bühne passte. Und so musste letztlich für das Konzert wieder ein ganz neues Programm erdacht werden.

In diesen Entwicklungsprozessen hat der Konzertdramaturg als studierter Musikwissenschaftler eine vermittelnde und beratende Funktion. Er steht in engem Kontakt zum Musikchef und dieser wiederum zu den Agenturen, Dirigenten und Solisten. Es finden zahlreiche Gespräche, ein Diskurs, statt, an dessen Ende eine Programmlinie steht. Der Dramaturg liefert hier den inhaltlichen Input.

Im Gegensatz zum Dramaturgen am Theater ist der Konzertdramaturg also nicht am endgültigen Ergebnis auf der Bühne beteiligt. Er sitzt nicht mit dem Dirigenten zusammen und sagt wie dieser zu dirigieren hat. Er hat vielmehr eine grundlegend vermittelnde Funktion in alle Richtungen.

In einer losen Folge möchte ich Berufe und Funktionen „hinter dem Orchester“ vorstellen. Denn ohne sie gäbe es kein Programm(-heft), keine Notenständer auf der Bühne, keine Radioübertragung und auch manch Anderes nicht.

In der nächsten Folge geht es um den Orchestervorstand.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Specialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht eines Laien. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.