Ganz hinten, ganz Mitte, ganz große Besetzung

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Proben des hr-Sinfonieorchesters zu Mahlers 8. Sinfonie im hr-Sendesaal  ӏ Foto: hr/Manfred Roth

Proben des hr-Sinfonieorchesters zu Mahlers 8. Sinfonie im hr-Sendesaal ӏ Foto: hr/Manfred Roth

Am Samstag (25. Mai 2013) hatte ich wieder ein Konzerterlebnis der besonderen Art. Einerseits hatte ich erneut zur Konzert-Couch eingeladen. Dieses Mal nahm Paula Landes „ganz hinten, ganz Mitte …“ Platz und wie es schien, hatte sie ihren Spaß. Wie es ihr tatsächlich gefiehl, ist demnächst auf ihrerm Blog Paulindiana nachzulesen.

Andererseits stand ein Werk auf dem Programm, das nur selten aufgeführt wird. In Frankfurt war es zuletzt vor gut 20 Jahren anlässlich der Wiedereröffnung der Alten Oper zu hören: Die Rede ist von Gustav Mahlers monumentaler 8. Sinfonie Es-Dur.

Ein Orchester, acht Gesangssolisten, zwei gemischte Chöre und ein Knabenchor

Mahlers 8. wird auch oft als Sinfonie der 1.000 bezeichnet, weil bei der Uraufführung 1910 in München 1030 Mitwirkenden beteiligt waren. Mahler selbst mochte diese Bezeichnung allerdings nicht. Beim Konzert mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Paavo Järvi waren es „nur“ 320 Mitwirkende. Acht Gesangssolisten, zwei gemischte Chöre und ein Knabenchor. Dies waren die Sopranistinnen Erin Wall, Ailish Tynan und Anna Lucia Richter die Mezzosopranistinnen Alice Coote und Charlotte Hellekant, der Tenor Nikolai Schukoff, der Bariton Michael Nagy und der Bass Ain Anger sowie die EuropaChorAkademie, der Tschechische Philharmonische Chor Brno sowie die Limburger Domsingknaben.

Pfingsthymnus und Faust

Die Sinfonie ist nicht nur aufgrund ihres zahlenmäßigen Musiker- und Sängeraufgebots untypisch, sondern auch in ihrem eigentlichen Aufbau. In der Regel besteht eine Sinfonie aus vier Sätzen – nicht so bei Mahlers 8. Hier besteht die Sinfonie aus zwei Teilen: dem mittelalterlichen Pfingsthymnus Veni, creator spiritus und der Schlussszene aus Goethes Faust II. Experten erkennen im zweiten Teil drei ineinanderfließende Sätze – wobei wir wieder, nimmt man den ersten Teil als einen Satz, bei vier Sätzen wären.

In den Mahlerschen Sinfonien finden sich ja häufig Gesangseinlagen. So etwa bei der 2. (Solo + Chor), der 3. (Solo + Chor) oder auch bei der 4. (Solo). Da behält aber, rein quantitativ betrachtet, das Orchester immer die „Oberhand“ – also mehr Instrumental- denn Vokalmusik. Nicht so bei der achten. Habe noch nie eine Sinfonie gehört, die so vom Gesang durchdrungen ist. Imposant! Man könnte auch sagen, es ist eine konzertante Aufführung, so präsent war der Gesang.

Ein packendes Konzert, das mich in den Bann gezogen hat. Ich weiß nicht – war es einfach nur das Wissen darum, dass ich Teil eines einzigartigen, weil selten, Musikereignisses war, war  es die 85 minütige Dauer oder das personelle Aufgebot, oder die Vorabeinstimmung? Wie auch immer, es war wie ein Rausch. Es blieb gar keine Chance, unbeeindruckt zu bleiben. Ich mochte den zweiten Teil lieber, weil dort auch ruhigere Töne angeschlagen wurden.

Paula Landes

Paula Landes

Da sowohl meinem Konzert-Couch-Gast, Paula Landes, als auch mir während des Konzerts einige Fragen gekommen sind, wird Mahlers 8. auch beim „Etwas anderen Interview – Orchestrasfan fragt Orchestrasvoice“ in der Sendung Treffpunkt hr-Sinfonieorchester am kommenden Samstag (1. Juni) noch einmal Thema sein. Auch Paavo Järvi wird sich dort noch einmal zu diesem Mammutwerk äußern.

Wer sich selbst einen Eindruck von dem kompletten Konzert machen will, hat dazu am 4. Juni Gelegenheit. Ab 20.05 Uhr wird es bei hr2-kultur übertragen. Außerdem steht das Konzert als Video bei ArteliveWeb online.

Last but not least. Eine Mahlersche gibt es noch: Am 29. und 30. Juni erklingt beim Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals die 6. Sinfonie a-Moll. Dann ist der Mahler-Zyklus abgeschlossen. Klar, dass ich da wieder dabei bin. Übrigens – für Sonntagabend gibt es noch Karten. Ansonsten kann man das Konzert auch über die bekannten Online-Kanäle, sowie bei hr2 Kultur und sogar im Hessischen Fernsehen sehen und hören.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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