Hexensabbat unterm Sternenhimmel

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Saisoneröffnung 2013(c)Pascal Rest

Saisoneröffnung im Konzerthaus Dortmund mit dem Philharmonia Orchestra und Esa-Pekka Salonen
Foto: Konzerthaus Dortmund | Pascal Rest

Die „Konzert-Couch“ bringt mich nicht nur mit neuen Menschen zusammen, sie führt mich auch in Konzerthäuser, die ich bisher noch nicht kannte. So kam es, dass ich am vergangenen Sonntag (8. September 2013) ein Konzert des Konzerthauses Dortmund besuchte. Als ich dort via Twitter nachfragte, ob ich denn mit der „Konzert-Couch“ kommen dürfe, war die Antwort sofort: „Ja“.

Ganz selbstverständlich stellte man meinem Gast und mir zwei Karten zur Verfügung. Danke dafür! Auch in der Folge zeigte sich das Konzerthaus äußerst interessiert und interagierte rege. Und wie war nun das Konzert?

Eröffnung der Konzertsaison

Zur Saisoneröffnung führten das Philharmonia Orchestra unter der Leitung seines Chefdirigenten Esa-Pekka Salonen von Brett Dean „Testament“ für Orchester, das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 63 von Sergej Prokofiew sowie von Hector Berlioz „Symphonie fantastique“ op. 14 auf. Die Niederländerin Janine Jansen war die Solistin des Abends.

Der Konzertabend begann, von einigen Temperamentsausbrüchen und klagenden Tonfolgen abgesehen, relativ ruhig. Und wie bei modernen Stücken üblich, wollte sich auch keine rechte Melodie einstellen. Wenn man weiß, dass Dean Beethovens „Heiligenstädter Testament“ als Inspiration diente, bekommen die musikalischen Temperamentsausbrüche gleich eine ganz andere Bedeutung. In diesem Zusammenhang konnte ich mir Beethoven vorstellen, wie er sich über etwas echauffiert.

Saisoneröffnung 2013(c)Pascal Rest (2)

Janine Jansen in ihrem Element
Foto: Konzerthaus Dortmund | Pascal Rest

In der Konzerteinführung – ja, auch im Konzerthaus Dortmund gibt es solche – erfuhr ich u. a., dass in den 30er Jahren eine Fülle von Violinkonzerten komponiert wurden und Prokofievs Violinkonzert „nur eines von vielen“ ist. Von einem Alleinstellungsmal Prokofievs könne man also nicht reden. Ich fand ja, Janine Jansen ging ganz in ihrem Spielen auf und das Zusammenspiel zwischen ihr und dem Orchester sehr gelungen. Der Spaß war ihr förmlich anzumerken. Ein durchaus mitreißendes Konzert!

Highlight

Mein persönliches Highlight war jedoch die „Symphonie fantastique“. Berlioz hatte dieses Werk mit „Épisode de la vie d’un artiste“ überschrieben. Es handelt von ihm und seiner Liebe zu einer Schauspielerin, seiner späteren Frau. Bereits die Satzbezeichnungen lassen den Inhalt erahnen: 1. Träumereien – Leidenschaften, 2. Ein Ball, 3. Szene auf dem Lande, 4. Gang zur Hinrichtung, 5. Traum einer Sabbatnacht.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor vier Jahren bei meinem ersten Besuch in der Digital Concert Hall die „Symphonie fantastique“ zum ersten Mal hörte. Damals schon zog mich das Solo des Englischhorns gleich zu Beginn des dritten Satzes in seinen Bann. Die einzelnen Töne, eine Oboe, die aus der Ferne einsetzt und auf das Englischhorn antwortet, die leise einsetzenden Bratschen bis dann Solo-Querflöte und andere Instrumente folgen. Damals „hatte ich nur Augen“ für den Englischhornisten, weil ich ihn aus unmittelbarer Nähe beobachten konnte, was teils auch der Kameraführung geschuldet war. Am vergangenen Sonntag konnte ich selbst entscheiden, wohin die Augen gingen. Es war auf jeden Fall ein Wow-Effekt – Vorteil eines Live-Konzerts. ;-)

Der Dirigent damals war Yannick Nézet-Séguin, der sehr ausladend und mit viel Körpereinsatz dirigierte. Ganz anders Esa-Pekka Salonen, der viel „reduzierter“, ruhiger dirigierte. Der Finalsatz war einfach nur grandios. Geister und Hexen versammeln sich, man hört Glockenschläge in der Ferne, die den bevorstehenden Tod ankündigen, ehe die Töne am Schluss kulminieren.

Neben dem musikalischen Ohrenschmaus war ich sowohl vom Konzerthaus selbst (5 Sternchen gestern beim Konzertsaalfoto) als auch vom Dortmunder Publikum tief beeindruckt. Solche Begeisterungsausbrüche und frenetischen Applaus habe ich bisher noch nicht erlebt.

Mein Konzert-Couch-Gast, Trainer Baade, hat bereits einen sehr lesenswerten Bericht über seine Konzerterfahrung geschrieben.

Ein rundum gelungener Abend, dank aller Beteiligten!

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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