Im Orchestergraben #2

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Von dem Geschehen auf der Bühne bekommt man im Orchestergraben nichts mit | Foto Thomas Jauk/Theater-Dortmund

Von dem Geschehen auf der Bühne bekommt man im Orchestergraben nichts mit | Foto Thomas Jauk/Theater Dortmund

Eine interessante Erfahrung, die ich da im Orchestergraben der Dortmunder Philharmoniker bei der Oper Carmen von Georges Bizet vergangenen Freitag machen durfte. Selbstverständlich ist so ein Besuch nicht – viele Dirigenten, Opernintendanten und Orchester wollen keine Gäste im Graben haben. Umso mehr hat es mich gefreut, dass der GMD der Dortmunder Philharmoniker Gabriel Feltz und das Orchester zustimmten.

Wie kam’s dazu?

Ich habe bei Facebook ein Orchestergraben-Foto gesehen und es mit dem Kommentar geteilt, dass ich gerne mal eine Vorstellung aus dem Orchestergraben verfolgen würde. Dr. Barbara Volkwein, zuständig für Musikvermittlung und Dramaturgie bei den Dortmunder Philharmonikern, sah das Posting, reagierte prompt und stellte mir einen Besuch in Aussicht. Es zogen einige Wochen ins Land. Der GMD musste einverstanden sein, ebenso das Orchester und dann musste ja auch noch der passende Termin gefunden werden. Mit Carmen von Georges Bizet am Freitag war dann alles unter Dach und Fach.

Der Weg zum Orchestergraben

Auf dem Weg zum Orchestergraben

Der Weg zum Orchestergraben

Der Weg zum Orchestergraben war ein Weg mit Umwegen. Er führte mich über den Bühneneingang zunächst zum Büro des GMD Gabriel Feltz, der mich nicht nur freundlich begrüßte, sondern sagte ich könne und solle doch während der Vorstellung twittern. Mangels Empfang wurde aus dem Twittern aus dem Orchestergraben allerdings nichts. Ich fand’s letzten Endes gar nicht so schlimm, denn so hatte ich mehr Zeit zum Hören, Schauen und „Staunen“. Von da ging es dann wieder das Treppenhaus hinunter in den Keller durch einen längeren Gang, in dem sich diverse Künstlerzimmer befinden und auch ein paar Instrumente herumstehen. Die ersten Musikerinnen und Musiker machten sich auch schon auf den Weg zum Graben – ein geschäftiges Treiben allenthalben. Der Orchesterwart legt die Partitur aufs Pult – ein ganz schön dickes Buch, die Carmen-Partitur, die auch „nur“ Standard-Buchformatgröße hatte.

Im Orchestergraben

Perspektivenwechsel

Perspektivenwechsel

Im Orchestergraben angekommen, wurde mir vom Orchesterwart mein Platz hinter den Schlagzeugern zugewiesen und für den Fall, dass es mir zu laut wird, eine Packung Ohrstöpsel in die Hand gedrückt. Die Musiker empfingen mich alle super freundlich und aufgeschlossen. Gekleidet sind sie alle recht leger in Schwarz und ohne Glitzer, damit sie vom Bühnengeschehen nicht ablenken. Wirklich hübsch haben’s die Musikerinnen und Musiker da unten nicht. Sie sitzen relativ eng und sie müssen zusehen, wie sie an ihren Platz kommen. Der Raum gleicht eher einem zweckmäßigen Arbeitsraum.

Orchesteraufstellung

Auf aneinandergereihten Podesten mal höher, mal tiefer sitzen die Orchestermitglieder. Das höchste Podest ist (natürlich) das des Dirigenten – er muss ja auch die Bühne im Blick haben. Direkt um ihn herum sind auf niedrigeren Podesten Geigen und Celli gruppiert. Im erweiterten Kreis sitzen nochmal, eine Etage tiefer, weitere Geigen und Bratschen, rechts Trompeten und Posaunen und links Querflöten, Klarinetten, Fagotte und Hörner (vom Zuschauerraum aus gesehen). Die Orchesteraufstellung im Graben unterscheidet sich von der im Konzertsaal dahingehend, dass im Graben die Streicher höher sitzen, wenn auch ganz vorne, und die Pauke, Schlagzeuge sowie Harfe und Kontrabässe tiefer und in der letzten Reihe.

Die Musikerinnen und Musiker bekommen rein optisch von der Inszenierung gar nichts mit, was auf der Bühne passiert. Ich stelle mir das nicht ganz einfach vor, nur den Gesang, dessen was auf der Bühne vorgeht, zu hören aber nichts davon zu sehen.

Der Dirigent

Für mich hatte es den Anschein, dass der Dirigent mehr Anweisungen „auf die Bühne“ also zu den Sängerinnen und Sängern als zu den Musikern gab. Der Dirigent kam auch ganz schön ins Schwitzen. Sein Dirigat sah nach einer ganz schönen Kraftanstrengung aus. Klar habe ich auch bei Konzerten schon Dirigenten erlebt, die sehr kraftvoll und mit vollem Köpereinsatz dirigierten, andere wiederum ganz ruhig und mit wenig Bewegungen. Dennoch sah ich auch bei Ersteren die Kraftanstrengungen nie so deutlich.

Work in Progress
Hinter den Schlagzeugern

Hinter den Schlagzeugern

Einige Musiker schreiben sich auch noch Anmerkungen in ihre Stimme. Ich habe mir sagen lassen, dass sich hier Stellen, bei denen sie evtl. unsicher oder besonders gefordert sind markieren. Im Gegensatz zu Sinfoniekonzerten, die meist nur zweimal in Folge aufgeführt werden, stehen Opern ja länger auf dem Programm. Wird der Bleistift nicht mehr gebraucht, klemmen ihn die Posaunisten und Hornisten einfach an ihr Instrument.

Mein Platz war, wie gesagt, während der ersten beiden Akte direkt hinter den Schlagzeugern, denen ich buchstäblich über die Schultern blicken konnte. Es waren „drei Schlagzeugstationen“: Trommel und Triangel – Becken – Kastagnetten, Trommel, Triangel (wenn ich das jetzt noch richtig in Erinnerung habe) Die drei Schlagzeuger haben sich auch abgewechselt an den „einzelnen Stationen“, um, wie mir auf Nachfrage erklärt wurde, auch die Parts aller Schlagwerke spielen zu können. Ab und an verlässt auch mal ein Musiker, eine Musikerin den Graben, wenn er oder sie eine längere Pausen hat.

Seitenwechsel
 4. Horn in F

4. Horn in F

Nach der Pause haben wir einen Seitenwechsel vorgenommen und ich verfolgte das Geschehen hinter den Fagotten und Klarinetten und neben den Hörnern. Da war es dann etwas lauter. Da habe ich mitbekommen, was ich im Konzert auch schon gesehen habe, dass Musiker Pausentakte mit den Fingern mitzählen. Ebenso habe ich gesehen, dass sich die Hornisten auf der letzten Seite in ihrer Stimme mit Datum und Unterschrift verewigen.

Es war eine ganz tolle Erfahrung. Vielen Dank ans ganze Team – Gabriel Feltz, Musiker, Orchesterwart, Barbara Volkwein – für die äußerst offene, freundliche und zuvorkommende Aufnahme.

PS Wer mehr über Partitur und Stimme sowie zur Sitzordnung von Orchestermusikern (im Konzert) wissen möchte, erfährt in den beiden Interviews mehr:

Das etwas andere Interview zu Partitur und Stimme
Das etwas andere Interview zur Sitzordnung

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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