Menschen aus meiner Timeline: @SP_Morgan

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Simon MorganSimon Morgan gehört zu denjenigen in meiner Twitter-Timeline, die ich erst durch meine Twitterei als Orchestrasfan kennengelernt habe. Wie er mir auffiel, weiß ich nicht mehr so genau. Ich vermute mal es war das Hashtag #hrSO, das auch er verwendet hatte. #hrSO steht bei Twitter für hr-Sinfonieorchester. Und eine gewisse Sympathie seinerseits für dieses Orchester ist auch ein uns verbindendes Element. Bei so einem Tweet kann ich doch aus Fan-Sicht nur noch „Hach“ sagen.

Manchmal schreibt er auch über seine Konzertbesuche. Das kann man dann auf seinem Blog Melomania nachlesen. Mittlerweile kennen wir uns auch persönlich und treffen uns des Öfteren bei Orchesterkonzerten.

Den Tweets nach zu schließen ist er (gefühlt) ständig bei Konzerten oder Opernaufführungen. Und das nicht nur in Frankfurt. Aber lest selbst, was er zum Thema klassische Musik zu sagen hat.

Simon, du verwendest als Profilbild bei Twitter die Abbildung einer Richard-Wagner-Büste. Ich nehme an, dass du eine besondere Beziehung zu diesem Komponisten hast. Die da wäre? Weshalb hast du dieses Foto gewählt, was bedeutet dir dieser Komponist? Bist du ein Wagnerianer?

Es nicht nur irgendeine Büste, sondern Arno Brekers Wagner-Büste, die auf dem Grünen Hügel vor dem Bayreuther Festspielhaus steht. So wie Wagner Hitlers Lieblingskomponist war, war auch Breker Hitlers Lieblingsbildhauer – beide also mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Als Opern- und Musikliebhaber kann man sich dem Rausch von Wagners Musik kaum oder nur schwer entziehen. Aber man sollte immer versuchen, dennoch kritisch zu bleiben und vor Augen zu halten, was für ein widerlicher Anti-Semit und unerträglicher Egoist er war.

Deshalb wehre ich mich dagegen, als Wagnerianer bezeichnet zu werden, obwohl mich seine Musik fasziniert und ich mich seit Jahren intensiv mit Wagner, seinem Werk und seiner Rezeption beschäftige und auseinandergesetzt habe.

Welche Beziehung hast du generell zur klassischen Musik? Ist sie beruflicher oder privater Natur?

Sowohl als auch. Ich bin leidenschaftlicher und ambitionierter Amateur-Musiker. Habe aber auch das Glück, in meinem Beruf als Journalist ab und zu mal über Musik, Oper und Kultur schreiben zu können.

Wie und wann hörst du klassische Musik?

Täglich. Wenn ich abends nicht in der Oper oder im Konzert sitze, spiele ich gern Kammermusik mit Kollegen und Freunden.

Man muss auch gelegentlich abschalten und sich eine Auszeit gönnen können. Ich habe eine riesige CD-Sammlung aber ich komme sehr selten dazu, sie zu hören, weil ich fast immer unterwegs bin. Und manchmal ist die Stille noch schöner als die Musik.

Gibt es etwas, dass dich total nervt am „klassischen Musikbetrieb“?

Das sogenannte „dumbing down“ oder die Verdummung von klassischer Musik.

Was meinst du damit genau?

Mit „dumbing down“ meine ich, den völlig irrigen Glauben, dass klassische Musik irgendwie zu „intellektuell“ oder „elitär“ sei und deshalb mittels sogenannte „Crossover“-Künstler wie Andre Rieu oder Katherine Jenkins zugänglicher oder schmackhafter gemacht werden kann. Oder Radiostationen, die Werke von klassischer Musik nur häppchenweise sendet, z. B. nur einzelne Sätzen aus Sinfonien, weil  sie sonst zu lang oder „schwierig“ wären. Klassische Musik fordert halt mehr Konzentration, „Einsatz“ oder „Input“ vom Hörer als z. B. Popmusik. Es ist eine ganz andere Art, Musik zu hören und wahrzunehmen, die gelernt und trainiert werden muss.

Aber Hörer sind viel klüger, offener und aufnahmfähiger, als die Musikindustrie offensichtlich glaubt!

Wie bist du zur klassischen Musik gekommen?

In der Schule. Wir haben als Kinder sehr früh Klavierunterricht bekommen. Später kam die Querflöte, wo ich im Schul- und Jugendorchester mitspielen konnte. Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit der Barock- oder sogenannten Traversflöte.

Kannst du dich noch an deinen ersten Konzertbesuch erinnern? Wie war er?

Als Elfjähriger hörte ich den jungen Riccardo Muti mit dem New Philharmonia Orchestra (wie es damals genannt war, heute is es einfach das Philharmonia Orchestra) in Tschaikowskys Fünfter und Dvoraks Neunter.

Obwohl ich die beiden Symphonien oft auf Platte gehört hatte, war ich vom Live-Erlebnis schier überwältigt.

Danke Simon für die Einblicke in dein Musikleben.

In der Serie „Menschen aus meiner Timline“ werde ich in loser Folge Menschen vorstellen, mit denen ich mich regelmäßig bei Twitter über klassische Musik unterhalte.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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