Neue Konzerterfahrung

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Herbert Blomstedt, Foto: Manfred Roth

Herbert Blomstedt, Foto: Manfred Roth

Das gestrige Konzert des hr-Sinfonieorchesters war für mich in mehrfacher Hinsicht etwas anders. Zum einen war ich erstmals bei einer Konzerteinführung und zum anderen war ich mit dem Vorhaben im Konzert, als Orchestrasfan hinterher auch etwas darüber zu schreiben.

Blomstedt, Pires und die deutsche Aufstellung des hr-Sinfonieorchesters

Auf dem Programm stand gestern (Wiederholungskonzert heute Abend) die Aufführung von Jean Sibelius’ 2. Sinfonie und Ludwig van Beethovens 4. Klavierkonzert. Der Dirigent Herbert Blomstedt ist nach über 25 Jahren zum hr-Sinfonieorchester zurückgekehrt und hat es in der Alten Oper Frankfurt geleitet. Solistin war die renommierte portugiesische Pianistin Maria João Pires.

Konzerteinführung

Schon länger bietet das hr-Sinfonieorchester mit „Musik im Gespräch“ vor dem Konzert eine Einführung an. Gestern war ich erstmals dabei. Ich war auch versucht, darüber zu twittern, habe mich dann aber doch entschieden, meine volle Konzentration dem Gastdirigenten Herbert Blomstedt und seiner Gesprächspartnerin Adelheid Coy zu widmen. Das halbstündige, gut besuchte Gespräch war eine Mischung aus Informationen zu den beiden Werken sowie Anekdoten aus dem Leben des stillen Stars unter den Dirigenten und der Komponisten. Hier in Frankfurt durfte auch der Hinweis auf Adornos Äußerung, er halte Sibelius für einen der schlechtesten Komponisten, nicht fehlen. Ob Sibelius’ Werke deshalb in Deutschland nur selten aufgeführt werden – ganz im Gegensatz zu anderen Ländern – sei dahingestellt. Wir erfuhren auch, dass Beethoven täglich die Bibel las, sehr religiös war – auch wenn er nie eine Kirche besuchte – und dass man dieses Religiöse auch im Klavierkonzert spüren könne. Interessant fand ich auch den Hinweis des Dirigenten, dass die Pianistin zu Beginn des Klavierkonzerts das Tempo vorgibt und der Dirigent sich zu fügen habe, da das Werk nur vom Klavier eröffnet wird.

Die Konzerteinführung hat sich also durchaus gelohnt, auch wenn ich gerne noch was über die Gründe erfahren hätte, weshalb Blomstedt sich für die deutsche Orchesteraufstellung entschieden hat.

Deutsche und amerikanische Orchesteraufstellung

Der Gastdirigent hatte sich für die sogenannte deutsche oder europäische Aufstellung entschieden, das hatte mir Orchestrasvoice bereits im Vorfeld verraten. Ich war also vorbereitet und hatte vorher auch meine Hausaufgaben gemacht:

Mit der Orchesteraufstellung ist eine bestimmte Sitzanordnung der Streicher gemeint. Im Unterschied zur amerikanischen Aufstellung sitzen die 1. Violinen bei der deutschen Aufstellung den 2. Violinen gegenüber, die Bratschen befinden sich neben den 2. Violinen, die Celli in der Mitte und die Kontrabässe auf der linken Seite hinter den 1. Geigen. Dies hat Auswirkungen auf den Klang. Je nach Werk können so Stimmverschmelzungen oder „Wechselspiele“ zwischen 1. und 2. Geigen gefördert werden.

Schon vorbei?

Gestern also deutsche Aufstellung. Ob es nun an der Aufstellung lag oder am Werk selbst – ich weiß es nicht. Es war „meine erste“ 2. Sinfonie von Sibelius und ich habe keinen Klangvergleich. Ich fand das Werk einfach nur großartig und es war ein Hörgenuss!

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, hat sowohl am Sonntag, den 2. Dezember 2012, als auch am Dienstag, den 11. Dezember 2012 Gelegenheit dazu. An beiden Tagen wird das Konzert ab 20.05 Uhr auf hr2-kultur gesendet. Aus sicherer Quelle weiß ich auch, dass es morgen im Treffpunkt hr-Sinfonieorchester Interviews mit dem Dirigenten und der Solistin geben wird.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

5 Kommentare

  1. Deutsche Formation bei Sibelius finde ich bemerkenswert……

    Und: Sibelius-Mangel in Deutschland? Kann man von Berlin nun wirklich nicht sagen. Das Violinkonzert ist oft, Symphonien regelmäßig, und sonstige Schmankerln gelegentlich zu hören

  2. @Karlheinz Günst Ich habe nur wiedergegebn, was die beiden Herrschaften im Gespräch gesagt haben. Da ich nicht alle Spielpläne deutscher Orchester kenne, kann ich nicht beurteilen, wie häufig Sibelius auf dem Programm steht.

  3. Vielleicht war nur Frankfurt gemeint. Seit Jukka-Pekka Saraste bei den WDR Sinfonikern ist, steht Sibelius in Köln nämlich auch öfter auf dem Programm ;-)

  4. Das Violinkonzert von Sibelius wird seit Jahrzehnten weltweit extrem oft gespielt. Selbst bei den Probespielen um eine Orchesterstelle ist es am häufigsten gespieltes Violinkonzert. Die symphonische Dichtung Finlandia gehört auch seit langem zum Standartrepertoire aller Orchester. Allerdings werden seine Symphonien, außer der 1. und 2., in Deutschland tatsächlich nicht so oft gespielt. Sibelius gehört zu den Komponisten, dessen musikalische Sprache unverwechselbar ist. Er gehört zu den bedeutendsten Symphonie-Komponisten…Da hat sich der Adorno wieder mal geirrt, wie leider sehr oft…

  5. Hallo Herr Zelienka,
    ach wie schön. Der erste hrSO-Musiker-Kommentar! Freut mich. Die Rede war auch nur von Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern …
    Es war auf jeden Fall ein großartiges Konzert! Und von mir aus gerne mehr Sibelius.
    Viele Grüße,
    Ulrike Schmid

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