Sampling, Moderation und Neue Welt – Mein Konzerterlebnis beim WDR-Sinfonieorchester

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1Live goes Classic in der Kölner Philharmonie

1Live goes Classic in der Kölner Philharmonie

Das Jersey Symphony Orchestra machte vor einiger Zeit eine Umfrage zu den Gründen, die einen dazu bringen, ein Konzert zu besuchen: Konzertort, Solist, Werke, Ticketpreise und persönliche Beziehungen zu einem Künstler waren die Möglichkeiten aus denen man auswählen konnte.

Für mich sind alle fünf Punkte mögliche Beweggründe, ein Konzert zu besuchen und ich ergänze noch den Aspekt „Orchester“. Der Punkt „persönliche Beziehungen“ hat bei der Umfrage am wenigsten Stimmen erhalten. Gerade dieser Punkt war es bei mir, der dazu führte, ein Konzert des WDR-Sinfonieorchesters erneut hören zu wollen. Voraussetzung für die Fahrt nach Köln war allerdings, dass der Hornist Hubert Stähle, den ich persönlich kenne, Dienst hat. Und so landete ich in einem Konzert aus der Reihe „1Live goes Classic“ in der Kölner Philharmonie.

Big Apple und die Neue Welt

Auf dem Programm am vergangenen Donnerstag stand von John Corigliano, Promenade Ouverture, das Konzert für Klarinette und Streichorchester von Aaron Copland sowie die Sinfonie Nr. 9 e-Moll  op. 95 „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvořák, die mit projizierten Fotos von Tobias Melle bebildert wurde. Solist des Abends war Thorsten Johanns, Solo-Klarinettist beim WDR-Sinfonieorchester. Die Leitung hatte der japanische Dirigent Yutaka Sado.

Verbindendes Element der drei Komponisten ist die Stadt New York: Dvořák komponierte 1892 seine 9. Sinfonie dort, Corigliano und Copland wurden im Big Apple geboren und nahmen musikalische Einflüsse der modernen amerikanischen Popularmusik in ihre Kompositionen auf. Aber auch Melodien der indigenen Bevölkerung, Spirituals, Jazz und Wiener Klassik finden sich in den Werken der drei Komponisten wieder.

Neue Wege Publikum zu gewinnen

Die Idee einen Sender ins Boot zu holen, der sich primär mit seinem Sendeformat an ein (jüngeres) Publikum wendet, das Chart-Musik, Pop und Rock hört, finde ich einen gelungenen Ansatz. Zumal dann, wenn 1Live-Moderatoren – am Donnerstag waren es Bianca Hauda und Mike Litt – durch das Programm führen und auch Bezüge zur Popmusik herstellen, etwa zum Sampling.

Gelungen fand ich auch den Einspieler zum zweiten Werk, Coplands Klarinettenkonzert. Bereits im Vorfeld hat Bianca Hauda dazu den Klarinettisten Thorsten Johanns aufgesucht. Sie ließ sich in die Kunst des Klarinette Spielens einweisen und plaudert herzlich erfrischend und ungezwungen mit dem Solisten des Abends.

Zu Dvořáks Sinfonie wurden im Bühnenhintergrund Fotos aus der „Neuen Welt“ projiziert, die meistens hervorragend mit der Musik korrespondierten.

Die Macher hatten sich also Einiges einfallen lassen, um Berührungsängste mit klassischer Musik abzubauen. Ob die Jugendlichen über den Abend hinaus Gefallen an der Musik gefunden haben und erneut ein Konzert des WDR-Sinfonieorchesters besuchen werden ist die spannende Frage.

Was ich gut fände

Was mir ein bisschen zu kurz kam, war eine tatsächliche Moderation im Sinne von Einführungen oder Hinweisen zu einzelnen Kompositionen v. a. zu Dvořák, als dem „klassischsten Werk“. Ich hätte mir gewünscht, dass die Moderatoren stärker auf die Werke eingehen und mehr darüber erzählen.

Da ich keine 1Live-Hörerin bin, kann ich nicht beurteilen, ob und in welchem Umfang diese Kooperation auch in einer Sendung Thema war. Ich fände es auf jeden Fall gut, wenn es ausführliche Hinweise, etwa ein Interview mit dem Solisten oder einem anderen Musiker in der Sendung geben würde. Meiner Meinung nach können nur so Berührungsängste abgebaut werden. Und so wäre die Kooperation eine runde Sache.

Dem Applaus nach zu schließen hat es den Jugendlichen auf jeden Fall gefallen. Nicht nur sie – es waren auch über 30-Jährige im Konzert – bedankten sich mit frenetischem Applaus bei den Musikern, Moderatoren und Dirigent.

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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