Vorgestellt: Hubert Stähle

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In der Reihe „Vorgestellt“ sprechen Orchestermusikerinnen und -musiker über ihre Beziehung zu ihrem Instrument, Probespiel, Rituale, Konzerterlebnisse und „musikalischen Wünsche“. Zu Wort kommen Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Orchestern, egal ob sie in einem Sinfonie-, Opern- oder Kammerorchester, in einem deutschen oder ausländischen Orchester spielen.

Heute lernen Sie den 4. Hornisten Hubert Stähle vom WDR Sinfonieorchester kennen.

Hubert Staehle, Hornist beim WDR Sinfonieorchester

Hubert Stähle, Hornist beim WDR Sinfonieorchester

Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Instrument?

Wenn ich den Klang eines Waldhornes höre und die Spielerin/ der Spieler erzählt mir dabei eine Geschichte, mir dadurch ein Lied „singt“, bin ich immer ganz gerührt.

Für mich ist das Horn ein Mittel zur Demut, zur Aufrichtigkeit. Ich kann damit nicht lügen, wie es mir geht, meine Stimmung überträgt sich direkt aufs Instrument. In Variation eines Lutherwortes könnte ich sagen: „Aus einem frohen Arsch kommt kein verklemmter Furz.“ Das trifft genau auf das Hornspielen zu – auf andere Instrumente bestimmt auch. ;-))

Welche Erinnerung haben Sie an Ihr Probespiel beim WDR-Sinfonieorchester?

Mein Vorspiel war am 22. April 1982, am Geburtstag meines alten Hornlehrers, der an jenem Tag 74 Jahre alt wurde und noch unter Richard Strauss gespielt hat.

Es waren 17 Leute in einem Raum, die sich mehr oder minder wild (laut) und nervös einspielten, auch mit Imponiergehabe, sich aber auch gegenseitig Noten ausliehen, falls einer etwas vergessen, oder eine bessere Ausgabe hatte.

Ich selbst war noch Student und zog mein bestes Gewand an: aus einem Dritte-Welt-Laden einen weißen Baumwollanzug, der eher wie ein Karate-Dress aussah. Hinterher meinten die Kollegen: „Du kannst Dir etwas einbilden. Wir haben Dich trotz Deiner Kleidung genommen!“

Wo üben Sie am liebsten

Am liebsten übe ich im Freien, d. h. nicht ohne Kleidung, sondern in der Natur, an dem Fluss, der an meiner kleinen, hässlichen Stadt vorbeifließt: der Rur.

Der Klang des Waldhorns passt gut in die Flussauen. Der Klang geht schön vom Instrument weg. Ich muss viel Luft geben, um draußen schöne Töne zu produzieren. Wenn ich dann wieder in der Kölner Philharmonie bin, habe ich im Saal mehr Volumen und Klang. Außerdem kommen ab und zu der Schäfer oder Hundebesitzer für eine kleine Unterbrechung vorbei – das tut der Konzentration und den Lippen gut.

Der einzige, der mich nicht schätzt, ist ein alter Knotterpott, der keine Tonleitern hören will, sondern die „Post im Walde“. Selbige spiele ich ihm dann vor. Er findet dann immer noch ein Haar in der Suppe, ist dann aber ein wenig milder gestimmt.

Welches war Ihr schönstes Konzerterlebnis?

Das schönste Konzerterlebnis war für mich die 3. Sinfonie von Gustav Mahler in der Suntory Hall in Tokio, mit den gewaltigen Schlägen von zwei Solo-Paukern am Ende. Eine Dame, die hinter dem Orchester saß, neigte sich über die Balustrade zu unserem älteren Solo-Pauker hinab und überreichte ihm eine Rose. Diese rührende Geste war der Höhepunkt des ganzen Stücks und der Tournee für mich.

Haben Sie ein persönliches Ritual vor einem Auftritt? Verraten Sie es?

Ich suche mir eine Rumpelkammer irgendwo und spiele mich dort ein. Ganz allein.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das in musikalischer Hinsicht?

Vielleicht treffe ich im Himmelorchester (darf ruhig noch gut Zeit vergehen bis dahin!) Kurt Sanderling, Günter Wand, Eugen Jochum, Paul Hindemith, Rafael Kubelik wieder und all‘ die netten Kollegen, die mit mir jetzt noch leben, und diejenigen, die schon gestorben sind.

Mit meinem alten Lehrer, Georg Schmid, würde ich nochmals in St. Ulrich in Augsburg die Orchestermesse von Kempter in der Christnacht spielen mit all den alten Herrschaften, die ich aus meiner Jugend kenne.

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

4 Kommentare

  1. Hach, schööön! Ich hab ihm in meinem Blog jetzt auch ein Plätzchen eingeräumt :-)

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