Was macht eigentlich ein …?

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… Orchestervorstand

Peter Zelienka, Geiger und Orchestervorstan beim hr-Sinfonieorcheter | Foto: Anna Meuer/hr

Peter Zelienka, Geiger und Orchestervorstand beim hr-Sinfonieorchester | Foto: Anna Meuer/hr

Jedes deutsche Orchester hat einen Orchestervorstand. Doch welche Aufgaben  hat er? Das fragte ich Peter Zelienka, einen der drei Orchestervorstände des hr-Sinfonieorchesters, der dieses Amt schon seit zwölf Jahren innehat. Beim hr-Sinfonieorchester werden alle zwei Jahre drei Vorstände und zwei Stellvertreter aus dem Kollegenkreis der Orchestermusiker gewählt. Wie so oft, wenn es um Ehrenämter geht, gibt es nicht allzu viele Bewerber.

Vermittler in alle Richtungen

Die Aufgaben des Vorstands sind sehr abwechslungsreich und kommunikativ. Aber das Amt kann auch undankbar sein, denn manchmal sitzt man zwischen zwei Stühlen: Auf der einen Seite vertritt der Vorstand die Interessen der Kolleginnen und Kollegen gegenüber dem Arbeitgeber, also dem Orchestermanagement. Auf der anderen Seite übermittelt der Vorstand auch die Wünsche des Arbeitgebers an die Kollegen. Diese Wünsche können manchmal für die Kollegen unangenehm oder nicht gut nachvollziehbar sein. Der Vorstand hat folglich eine Vermittlerposition.

Zu seinen Aufgaben zählen etwa die Besprechung der Tourneeabläufe sowie die künftige Orchestersaison mit dem Management, er „kontrolliert“, ob die Konzert-, Proben- und Urlaubsplanung im Einklang mit dem Tarifvertrag stehen.

Der Orchestervorstand spielt auch eine wichtige Rolle, wenn es um die Beurteilung der Leistungen von Kollegen oder die Besetzung des Orchesters geht. Bei den Bläsern etwa gibt es mehrere Besetzungen, und insbesondere bei Chefdirigenten kommt es vor, dass sie einen bestimmten Musiker in einer Aufführung im Orchester bevorzugen. Der Orchestervorstand muss in solch einem Fall zwischen dem Dirigenten und den Musikern vermitteln und eine für alle Beteiligten faire Lösung finden. Es handelt sich hier um ein sehr heikles Thema, das jedoch in jedem Orchester der Welt vorkommt.

Ansprechpartner, Schlichter und Koordinator

Die Meinung des Vorstands zählt auch, wenn es um die Einladung von Gastdirigenten geht. Wobei hier nicht der Vorstand die Entscheidung trifft. Die Musiker entscheiden dies in der Orchesterversammlung, die alle paar Monate stattfindet. Dennoch hat die Meinung des Vorstands großes Gewicht.

Außerdem ist allein der Orchestervorstand berechtigt, Beschwerden der Musiker an den Dirigenten heranzutragen. Für den Gastdirigenten ist der Orchestervorstand der offizielle Ansprechpartner, wenn dieser Wünsche oder Anliegen hat.

Eingreifen muss der Orchestervorstand, wenn es im Orchester zu Unstimmigkeiten zwischen den Kollegen kommt. Glücklicherweise gibt es beim hr-Sinfonieorchester kaum Probleme. Der Orchestervorstand hat sogar das Recht disziplinarische Maßnahmen einzuleiten. Er spricht Musiker an, wenn sie etwa die Proben stören und erhebt auch Geldstrafen bei zu häufiger Verspätung oder unordentlicher Kleidung. Handygeklingel während der Probe wird beispielsweise mit 50 Euro geahndet.

Er achtet darauf, dass der reibungslose Probenbetrieb gewährleistet ist, sorgt dafür, dass Anzahl und Länge der Proben nicht überschritten werden und bespricht mit den Musikern die bevorstehende Saison. Dazu kommen noch Aufgaben wie die öffentliche Verabschiedung von Musikern in den Ruhestand nach dem letzten Konzert, Ansagen vor dem Orchester vor den Proben, Geburtstagswünsche, Korrespondenzen etc.

Leiter des Probespiels

Bewerben sich Musiker beim hr-Sinfonieorchester um eine Anstellung im Orchester, leitet der Orchestervorstand den Ablauf des Probespiels. Auf der Basis eines für das hr-Sinfonieorchester ausgearbeiteten und festgelegten Ablaufplans achtet der Orchestervorstand auf die korrekte Durchführung. Die Auswahl des Musikers wird von den Orchestermusikern getroffen. (Ausführlich dazu: „Das etwas andere Interview“ zu Probespiel). Der Orchestervorstand gibt diese Entscheidung ans Management und diese stellen den Musiker/die Musikerin dann ein.

In einer losen Folge möchte ich Berufe und Funktionen „hinter dem Orchester“ vorstellen. Denn ohne sie gäbe es kein Programm(-heft), keine Notenständer auf der Bühne, keine Radioübertragung und auch manch Anderes nicht.

 

 

Autor: Orchestrasfan

Ulrike Schmid, im Hauptberuf PR-Spezialistin schreibt hier unentgeltlich als Fan des hr-Sinfonieorchesters und anderer Orchester über klassische Musik und Konzerte aus Sicht einer Laiin. Von 2014 bis 2017 hat sie als PR-Referentin für den Hessischen Rundfunk gearbeitet. Die hier formulierten Äußerungen sind rein privater Natur und nicht mit dem Orchester(-management) abgestimmt.

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